»Die kleinen Herrn aber noch viel weniger und dann hat's mit der Jagdfreiheit auch einen anderen Haken. Daß sie Einer den Andern auf dem Felde todtschießen werden, wenn jeder mit seinem Kuhfuß draußen 'rum laufen und knallen darf, versteht sich von selbst und ist jetzt auch schon genug dagewesen, das schadet aber auch Nichts, die Art Schützen mag sich unter einander selbst aufreiben, und ordentliche Jäger werden ihnen schon nicht zu nahe kommen, aber der arme Mann ist gerade der, der unter der Jagdfreiheit zu leiden hat – nicht etwa die ›großen Herrn‹ wie sich's der Bauer immer auf allen Bierbänken rühmt.«
»Der arme Mann?« sagte Beukel erstaunt und drehte sich nach dem Förster um, »na um die Erklärung gäb' ich auch ein Töpfchen Bier.« –
»Dem armen Mann thats wuhl guat, wenn de Raichen Hasenbraten fraßen?« frug ein anderer dabei stehender Bauer lachend, und die Uebrigen stimmten mit ein.
»Gewiß thats ihm gut« fiel aber hier der Förster mit Wärme ein, »denn während der Reiche Wildpret verzehrte, konnte er kein anderes Fleisch essen, und Rindfleisch z. B. behielt einen Preis, den dann und wann auch wohl einmal ein armer Mann bestreiten und bezahlen konnte. Wie wird das aber jetzt werden, wenn das Wild, wenn Hasen und Rehe alle weggeschossen sind, heh? – Wir wollen einmal die Residenz nehmen; zu ganz geringem und durchschnittlichen Maasstab gerechnet sind dorthinein bis jetzt jährlich doch wenigstens 20000-25000 Hasen geschafft und darin consumirt worden – ebenso eine verhältnißmäßige Quantität Rehe, Hühner, Birkwild, Fasanen, etc. Wer verzehrt dieß Alles? – Die Reichen und fehlt ihnen das Wild, so sind die natürlich die Letzten, die ohne Fleisch leben; können sie kein Wildpret, keine Hühner, Rehe und Hasen bekommen, ei so essen sie Rind- Kalbs- oder Schweinebraten, diese 20000 Hasen und die vielen tausend Pfund anderes Wild fehlen aber jetzt, dafür wird anderes Fleisch also verbraucht, und dieses muß natürlich bei einem so gesteigerten Bedarf auch ebenso verhältnißmäßig im Preise steigen. Wird der Arme nun noch im Stande sein, sich dann und wann ein Huhn in seinen Topf oder ein Pfund Rindfleisch zu kaufen? – Fragt einmal übers Jahr wieder nach, und Ihr werdet hören, wie sie in den Städten darüber schimpfen.«
»Ah bah, in den Städten mögen sie's thun« lachte Beukel, »so schöpfen wir auf dem Lande doch wenigstens das Fett von der Suppe.«
»Wir? – die schöpfen es, welche die Schüssel schon bis jetzt immer vor sich gehabt« sagte ärgerlich der Jäger – »die armen Häusler und Tagelöhner, die kein eignes Feld haben, kriegen immer noch nichts. Uebrigens schöpft nur – ein, höchstens zwei Jahr habt Ihr noch ein paar Rebhühner zu schießen, und nachher wird Sturm geläutet, wenn sich einmal ein Hase auf dem Felde draußen blicken läßt.«
»Treiber vor!« tönte eine Stimme draußen auf der Diele, und die Treiber, die sich in der Stube befanden, bewegten sich langsam der Thüre zu, um sich draußen zu präsentiren und hinaus zu der Stelle geführt zu werden, von wo das erste Treiben ausgehen sollte.
»Wo hören wir denn eigentlich wieder auf?« frug da ein Verwalter aus der Nachbarschaft, »wenn wir nicht hierher zurückkommen, möcht' ich auch meinen Mantel fortschicken.«
»In Skorditz« sagte der alte Holke, der in diesem Augenblick in's Zimmer getreten war und die Anwesenden zu überzählen schien – »gleich neben der Windmühle.«
»Die Skorditzer Bauern haben gesagt, wenn die Schützen auf ihre Felder kämen, schlügen sie Generalmarsch im Dorfe und rückten aus« meinte ein Bauer aus Horneck, der mit dem Verwalter an einem Tische saß.