Einen Augenblick blieb er daneben stehn, und es war fast, als ob ein spöttisches Lächeln um seine Mundwinkel zuckte, als er zu dem flatternden Banner hinaufschaute, und den Blick von da zu den Englischen Farben schweifen ließ — wenn so, ging das aber eben so rasch vorüber als es gekommen, und mit flüchtigen Schritten sprang er die wenigen Stufen zu der Verandah der Königin empor.
Die Einanas, im Vorzimmer, wollten ihm freilich den Eintritt weigern, eine aber erkannte ihn wieder und eilte mit dem Schreckensruf zu ihrer Herrin, denn Du Petit Thouars war, ob verdient oder unverdient, der Popanz der Inseln geworden, mit dem man die Kinder furchtsam machte und die Mädchen.
Pomare erschrak — was wollte der Befehlshaber der Kriegsschiffe da draußen von ihr, daß er, ohne angemeldet, ohne um förmliche Audienz einzukommen, wie das üblich gewesen war von jeher, das ihr von den Missionairen und Consuln eingeprägte, und für unumgänglich nöthig geschilderte Ceremoniell soweit außer Augen setzte, sie allein aufzusuchen. Einen Augenblick stand sie unschlüssig und zögernd da; aber sie hörte schon die lachende Stimme des Französischen Befehlshabers dicht vor ihrer Thür, wie er sich, durch die ihm den Weg versperrenden Mädchen Bahn zu brechen suchte mit scherzhafter Gewalt, vielleicht nicht einmal böse über den Widerstand.
»Ruf mir den ehrwürdigen Bruder Pi-ri-ta-ti«[C] sagte sie da schnell, und das Mädchen öffnete kaum die Thür, dem Befehl Folge zu leisten, als der Admiral auch, ängstlich von den Frauen Pomares umstanden, auf der Schwelle erschien, und den Hut abziehend mit, Pomaren entgegengestreckter Hand ihr sein freundliches Joranna entgegenrief.
[C] Pritchard.
»Joranna Peti-Tua« sagte die Königin ernst, ihm die Hand nicht versagend, aber immer noch in einer eigenen Mischung von beleidigter Eitelkeit und Verlegenheit zu ihm aufschauend — »bringst Du mir Frieden oder Krieg jetzt, in Deinen großen Schiffen mit denen Du die Bai füllst, und bist Du den weiten Weg noch einmal hergekommen, eine arme schwache Frau zu kränken, oder hat Dich Dein König geschickt mit freundlichem Wort, und ist das Joranna treu gemeint und nicht blos wie ein Hauch von den Lippen?«
»Ich bringe Dir Frieden, Pomare,« sagte Du Petit Thouars freundlich, und hielt die Hand die sie ihm gereicht, immer noch in der seinen — »Frieden und Freundschaft, wenn Du eben nicht selber trotzig das Alles von Dir weist und mich förmlich dazu zwingst Dir weh zu thun — und das wirst Du hoffentlich nicht.«
»Du willst wieder Geld von mir haben auf Deine Schiffe zu nehmen?« sagte Pomare rasch und mißtrauisch — »aber ich habe Nichts mehr — das letzte was ich hatte haben die Missionaire von mir bekommen, unglückliche Heiden in Australien und Afrika zu bekehren.«
Der Admiral biß sich die Unterlippe und ein leichtes, halb verlegenes Lächeln zuckte über seine Züge.
»Nein« sagte er endlich nach kleiner Pause, »Du irrst, Pomare, und ich verzeihe Dir gern Deine Unerfahrenheit in solchen Dingen; ich will auch Nichts von Dir haben, als was Du uns freiwillig schon gegeben hast — nur nichts nehmen möcht' ich mir lassen, und deshalb komme ich her. Noch aber liegt das Alles zwischen uns Beiden, und ich hoffe wir werden es mit wenigen Worten auch leicht und freundlich lösen. Ich meine es gut mit Dir Pomare, und möchte Dich nicht kränken noch betrüben.«