»Joranna-boy!«

Wäre dem Eingebornen, der gebückt und die Augen fest auf den Boden geheftet, fast gerade unter ihm stand, ein grimmer Tausendfuß über den Nacken gelaufen, er hätte nicht rascher und mehr erschreckt in die Höhe und zur Seite springen können, und erst das laute Lachen René’s, der auf ihn herunterschaute, als ob Jemand aus dem Fenster einer höheren Etage sieht, brachte ihn wieder ein wenig zu sich. Der erste Schrei, den er aber in voller Ueberraschung ausgestoßen war hinreichend gewesen, seine Gefährten um ihn zu sammeln, und die fünf rothen Burschen, die hier mit so feindseligen Absichten heraufgekommen waren, wußten eigentlich nicht recht wie ihnen geschah, als sie den gerade, von dem sie die grimmigste Gegenwehr erwartet, in der größten Gemütlichkeit vor sich und so friedlich gesinnt fanden, wie sie es nimmer hätten erwarten dürfen.

Erst sahen sie eine ganze Zeitlang schweigend zu ihm empor — es war augenscheinlich, sie mißtrauten noch dem äußeren Ansehn der Dinge — diese Freundlichkeit konnte Maske sein sie plötzlich zu überrumpeln, und obgleich sie bewaffnet waren, d. h. zwei führten Tapa-Hölzer und die andern drei Einer ein Beil und Zweie Messer — und der Weiße unten ihnen die Versicherung gegeben hatte daß der Flüchtling nichts derartiges mitgenommen habe, wußten sie doch nicht welche außerordentlichen Mittel ihm sonst vielleicht zu Gebote stehen möchten ihnen zu schaden. Sie waren allerdings willens die ausgesetzte Belohnung zu verdienen, dachten aber dabei gar nicht daran ihren Leib oder gar ihr Leben irgend einer unnöthigen und zu vermeidenden Gefahr auszusetzen.

René blieb übrigens in seiner nichts weniger als feindlichen Stellung, wobei er sich jedoch wohl gehütet hatte seine Gestalt den Fernröhren des Schiffes preis zu geben, und da die so erstaunten und verdutzten Gestalten der Indianer allerdings komisch genug aussehen mußten, und er sich gar keine Mühe gab sein Lachen zu verbergen, so verlor sich diese Furcht denn auch endlich.

Der Führer sah seine Begleiter erst ganz ernsthaft an, und dann verzog ein breites Grinsen oder Feixen seine sonst gutmüthigen Züge, während sich diese noch eine kleine Weile zu geniren schienen, — endlich mochte ihnen das Komische ihrer Lage aber auch wohl einleuchtend werden. Der Eine schnitt auf einmal ein ganz freundliches Gesicht, und war dann urplötzlich wieder so ernst und finster als vorher, als er aber den Häuptling ansah und dessen ausbrechende Fröhlichkeit bemerkte, glaubte er auch wahrscheinlich dem Anstand volle Genüge geleistet zu haben, und platzte nun auf einmal so rasch und laut heraus, daß sich die Andern ordentlich erschreckt nach ihm umsahen.

»Joranna, Joranna!« rief jetzt der Erste hinauf, dem augenscheinlich ein Stein vom Herzen gefallen schien, da er die Sache sich so friedlich lösen sah — und es zeigte sich jetzt daß er auch etwas gebrochen englisch sprach, wie man fast auf allen diesen Inseln Einzelne findet, die Worte und Redensarten, im Verkehr mit den Fremden, aufgefangen und behalten haben. »Joranna boy! — wie geht’s — wie geht’s Freund — komm herunter, komm herunter — weißer Mann, Capitain sagt, soll herunterkommen.«

»So?« lachte René in derselben Sprache, — »weißer Mann Capitain sagt also ich soll herunter kommen?«

Der Indianer nickte auf das freundlichste, daß er ihn so gut verstanden hatte, und versicherte, sich zu seinen Begleitern wendend, diesen, daß er die Sache jetzt augenblicklich in Ordnung bringen würde.

»Ja, komm herunter, komm herunter — weißer Mann Capitain sagt« wiederholte er noch einmal, dieses Factum vor allen Dingen außer jeden Zweifel zu stellen.

»Und wenn ich, weißer Mann kein Capitain nun nicht will?« lachte René.