Diesen Zeitpunkt benutzte René, schnallte sein kleines Bündel, daß er im Anfang vor den Eingeborenen ausgebreitet gehabt, wieder zusammen, und verlor sich damit, ohne daß irgend Jemand auf ihn acht hatte, im Dickicht. Von den Eingeborenen sahen ihn vielleicht Einige, achteten aber nicht auf ihn, und die Leute vom Schiff waren viel zu sehr mit sich selber und ihrer Umgebung beschäftigt, sich nur im mindesten darum zu bekümmern, was Einer der ihrigen that.
Zwei Stunden später etwa, als der Harpunier Alles weggegeben was er mitgebracht, und sein Boot fast gefüllt war mit all den Massen von Sachen die er dafür eingetauscht, rief sein Befehl die Leute wieder zusammen, und er stieg selber ins Boot, an Bord zurückzukehren.
»Wo ist René!« frug er, als er einen Blick über die Mannschaft geworfen.
»René!« tönte der Ruf der Matrosen — »oh René!» Kein René ließ sich blicken und Niemand wußte was aus ihm geworden, ja ein paar bezweifelten, daß er überhaupt mit an Bord gekommen sei, so wenig hatten sie sich, mit dem Land vor sich, um einander bekümmert. Jedenfalls fehlte aber ein Mann, und der Offizier wußte auch, daß er bei der Herüberfahrt seine volle gewöhnliche Besatzung gehabt.
»Damn it« rief der Harpunier endlich im Boot, in dem er seinen Sitz schon wieder eingenommen, in die Höhe springend — »he has bolted,[A] die Pest über den Hallunken; aber den wollen wir bald wieder haben. — Bleibt Ihr hier im Boot bis ich zurückkomme!« rief er dann seinen Leuten zu, und über die Sitze wegspringend, eilte er wieder an Land und wandte sich dort an einen der Eingebornen, der eine Art Oberherrschaft über die Andern auszuüben schien.
»Hallo Freund!« redete er ihn an, »Einer von meinen Leuten ist mir weggelaufen, könnt Ihr ihn wieder fangen, und was wollt Ihr dafür haben?«
»Hat er Gewehr mit?« frug der Alte ziemlich vorsichtig, denn er schien danach den Preis des Einfangens bestimmen zu wollen.
»Nein, kein Schießgewehr, vielleicht nicht einmal ein Messer« lautete die ermuthigende Antwort.
Die Eingebornen fingen jetzt eifrig an unter einander zu verhandeln, und zwar in so rascher und oft eigentümlicher Sprache, daß der Amerikaner selber nicht verstehen konnte was sie mitsammen hatten. Aus ihren Bewegungen wurde es ihm jedoch bald deutlich, denn zwei davon gingen nach einem besondern Theil im Busch und untersuchten hier die Fährten und ihren Gesticulationen nach schien es, als ob der Flüchtige sich dort hinein gewandt habe. Der alte Indianer zeigte sich auch bald erbötig ihm den Mann wieder zu verschaffen; seine Forderung dafür war aber ziemlich bedeutend; er wollte Kattun und Messer, etwas Tabak und in der That ein wenig von Allem haben, und als Jener endlich einwilligte ihm das Alles zu geben, hatte er noch ein Beil und ein Hemd und mehrere andere Kleinigkeiten vergessen.
Der Harpunier wußte übrigens daß sich der Capitain nicht lange hier aufhalten wollte, und wüthend sein würde über die Flucht des Mannes; er sagte also dem Alten seine sämmtlichen Forderungen zu, vorausgesetzt daß sie mit dem Gefangenen am Ufer wären, sobald sie mit dem Boot und den verlangten Sachen wieder vom Schiff zurück sein könnten.