»Ich fürchte nur Ihr habt mit dem anderen Artikel ein schlechtes Geschäft gemacht,« sagte Jim kopfschüttelnd — »ich glaube wirklich nicht, daß es hier je zu einem solchen Ausbruch von Feindseligkeiten kommen kann, die Eingeborenen zu veranlassen wirklich Geld für einen solchen Artikel auszulegen; — ja wenn es Brandy wäre.«

»Nun, ich gehe da ziemlich sicher,« schmunzelte der Schotte, »denn ein Theil der Waffen ist feste Bestellung — von Jemandem aber den ich nicht nennen darf — und verkauf ich das andere nicht hier, so weiß ich daß ich auf den Fidschi- und Navigators-Inseln einen vortrefflichen Markt dafür finde.«

»Ja, aber, das ist ein kitzliches Geschäft,« meinte Jim, sich mit dem Zeigefinger der rechten Hand durch das Halstuch fahrend — »die Engländer und Franzosen haben über derartigen Handel ihre eigenen Ansichten, und es geht bei einer solchen Geschichte immer gleich an die Raanocke[T]. Interessant ist so ein Geschäft wohl schon, aber — verdammt gefährlich, und der Nutzen doch eigentlich nicht im Verhältniß zum Risiko.«

»Nun, das käme auf die Person an,« sagte, mit einem etwas zweideutigen Seitenblick auf den Iren, der jetzt aufmerksam durch das Glas nach der Insel hinüberschaute, der Capitain. Jim verstand aber die etwas malitiöse Anspielung und sagte lachend, ohne jedoch aufzusehen:

»Ich bin gerade so kitzlich am Halse wie der beste Priester, Capitain, und jeder paßt auf sein Bischen Leben so gut er kann, ob’s nun eben der Mühe werth ist, oder nicht.«

»Nein, Jimmy, so war’s gar nicht gemeint,« rief Mac Rally rasch und etwas verlegen.

»Bitte, geniren Sie sich nicht,« lachte Jim, »thun Sie als ob Sie zu Hause wären, Captain dear — »aber dahinten kommen die Canoes,« unterbrach er sich plötzlich, den rechten Arm, ohne das Auge vom Glas zu nehmen, gegen Point Venus hinüberstreckend. Dorthin wurde auch eben, gerade die Spitze passirend, eine kleine Flotte Indianischer Fahrzeuge sichtbar. »Bei Jäsus, Mr. Mac,« fuhr er aber lebendiger werdend fort, als er sich den Inhalt der kleinen schlanken Fahrzeuge etwas genauer betrachtet — »heute geht die Geschichte los da drüben, heute bekommen wir was zu sehen, und je eher wir hinüberfahren, denk’ ich, desto besser ist’s, denn einen besseren Abend unser Ausschiffen zu beginnen, werden wir auch nicht so leicht finden. Kein Teufel paßt heut’ auf die aus- und eingehenden Boote, und solche Zeit muß man benutzen.«

Der Capitain hatte das Glas wieder genommen und einen Augenblick durchgesehen, dann aber sich wieder aufrichtend und es zusammenschiebend sagte er, mit einem halbversteckten Lächeln in den selten aus ihrer Lage gebrachten fast wie ehernen Zügen:

»Ihr habt recht Jim, da hinten schwimmen die Haupt-Schauspieler der heutigen Komödie — drei Canoes voll Schwarzröcke, Gott weiß wo sie alle herkommen. Die Feierlichkeit wird nun wohl auch bald ihren Anfang nehmen, und ich glaube je eher wir hinübergehn, desto besser. Ha, bei Gott,« unterbrach er sich plötzlich, als er sich zufällig nach den Kriegsschiffen hingewandt hatte und deutete mit dem Arm hinüber — »dort geht die Tahitische Nationalflagge!« Und in der That stieg in diesem Augenblick die rothe Flagge mit dem weißen Stern auf der Englischen Fregatte an der Gaffel des Besahnsegels auf. »Was die Leute doch für Streiche machen,« brummte der Alte dabei — »aber meiner Mutter Sohn müßte sich sehr irren, wenn sie nicht heute da drüben Unheil anrichten.«

»Desto besser, Captain dear,« rief Jim, sich vergnügt die Hände reibend, »desto besser; s’wär mir ein wahres Gaudium, wenn ich erleben könnte daß sich die beiden Erbfeinde, Franzosen und Engländer, wieder einmal beim Koller kriegten; s’ist überdies lange genug Frieden gewesen. Aber enges Fahrwasser zum Maneuvriren hätten sie hier, und die Corvette hielts auch mit der Fregatte nicht lange genug aus, den Spaß interessant zu machen.«