Aber die also Angeredete, ob sie es war oder nicht, bog den Kopf nur mehr zur Seite. Sie schämte sich doch nicht ihrer frommen Tracht? — »naha Maïre,« klang wieder und wieder der neckische Ruf — »bist Du’s aiu[U] oder nicht? — sieh her Maïre, sieh her und wende Dein Köpfchen.«
»Ah — da nimm das!« rief da plötzlich die fromme Maid, und den Kopf herumwerfend nach der Quälerin, deren lachende Augen über zwei Reihen prachtvoller Perlzähne blitzten und funkelten, schlug sie mit der linken flachen Hand (in der anderen hielt sie die Bibel), ein Zeichen gründlicher Verachtung, ihre Lende — »da nimm das Du böse Ate-ate und laß mich zufrieden — bah über die Schwätzerin.«
»Hahahaha!« klangs aber wie Silberton von den Lippen der Anderen — »hahahaha, Maïre, Maïre, armes Kind, armes Kind.«
»Laß sie gehn,« stieß da Maïre eine Nachbarin an, »laß sie gehn es sind wilde Dinger und taugen nicht zu uns — wenn’s der Mitonare sieht daß wir mit ihnen gesprochen ist er bös.«
»Maïre, Maïre, armes Mädchen!« riefen die Ersteren wieder.
»Bah!« lachte aber die Schöne jetzt, den Hut zurückwerfend, daß die funkelnden Augen voll die Gegner trafen — »albernes Zeug hier, könnt Ihr mich nicht zufrieden lassen beim Kirchgang oder beim vollen Zug — oder glaubt Ihr daß Ihr’s nachher wohl toller treibt als ich?«
»Ah maitai maitai Maïre,« jubelte da Ate-ate laut auf — »so lebst Du noch unter dem Hut und Dein Herz liegt nicht bei den Locken daheim im Bananenblatt?«
»Wenn sie nur so schnell wieder wüchsen wie man sie abschneiden kann,« zürnte das schöne Mädchen und warf einen mürrischen mistrauischen Blick nach ihrem Schatten hinunter, aber sie sah nur den Hut und schüttelte ärgerlich mit dem Kopf.
»Wenn mir die Haare wachsen schneid’ ich sie nicht wieder ab,« sagte ein anderes Mädchen das neben Maïren ging — »so lange sie kurz sind bin ich fromm, und dann kann einmal eine Andere an die Reihe kommen.«
Drrrrrrrrum — drum, drum, drum klang der Wirbel und Ton; heller fröhlicher Trommelschlag, das National- und Lieblingsinstrument der Insulaner, im Takt und Schlag ihres wildesten, aber auch deshalb geliebtesten Tanzes.