»Von dem Gott der Christen? — ist er denn nicht selbst ein Christ?«

»Nein,« sagte Aumama rasch — »nein — er selber hat es versichert — er ist von dem Stamm die den Christengott gekreuzigt haben, und soll behaupten Jener sei gar nicht der Messias gewesen.«

»Das waren die Juden,« rief Sadie überrascht, »aber ich wußte gar nicht, daß von jenem Stamm noch Leute lebten?«

»Viele, viele sollen noch davon in dem fernen Lande der Weißen sein und der alte Mann behauptet jener Gekreuzigte sei nicht Gottes Sohn gewesen, und habe nicht die rechte Lehre gebracht, denn die Christen unter einander wüßten es nicht einmal und stritten und kämpften deshalb gegen einander, und hätten schon viele viele Tausend unter sich erschlagen, zu beweisen wer recht und den rechten Gott und Erlöser habe.«

»Und wenn der Mann nun nicht die Wahrheit sagt?«

»Nicht die Wahrheit? — es soll ein alter alter Mann sein, und graue Haare und grauen Bart haben; und streiten sie sich hier nicht etwa auch um ihren Gott? — Wer hat recht? und wie jener Mann von Bola Bola sagt giebt es in seinem Vaterland unter den Christen noch viele andere Sekten, die alle einander hassen und gegen einander predigen. Ist das ihre Religion des Friedens?«

»Aumama, Du sprichst entsetzlich,« sagte Sadie schaudernd, »wer um des Himmels Willen hat Dein Herz mit solchem Trug erfüllt?«

»Trug?« wiederholte die Indianerin, und ihr Blick haftete fest auf Sadie — »gebe Gott daß es Trug wäre und Lüge, aber wer giebt uns Wahrheit?«

»Gott selber,« sagte da Sadie mit jenem kindlichen Vertrauen, das in dem Schöpfer wirklich seinen Vater sieht, und in reiner, ungeheuchelter Frömmigkeit am Throne des Höchsten sein Gebet, seinen Dank niederlegt — »Gott selber, Aumama; er hat uns die Wahrheit in das Herz gelegt, und seine Boten schon vor langen Jahren gesandt, sie uns hier zu lehren. Bete, bete mit voller Inbrunst und das Herz wird Dir aufgehen, wenn Du Dich zu Gott wendest.«

»Aber Le-fe-ve betet gar nicht,« warf das Mädchen wieder ein, dem Gedanken folgend daß die Europäer selber, in verschiedene Religionen getrennt, kein Vertrauen auf den Gott hätten, den sie den Inseln gebracht — »er ist ein guter Mann, aber er lacht, wenn man ihn an seine Pflicht als Christ will mahnen; thut das René nicht auch?«