Es war eine Fregatte, aber von welchem Land? Diese Frage beschäftigte jetzt Alle in ängstlicher Spannung, und wie die meisten der Eingeborenen gerade jetzt, nach ihrer vorhergegangenen Demonstration das Erscheinen des ihnen nur zu gut bekannten Du Petit Thouars mit seinem Fahrzeug fürchteten, so ängstlich waren sie, sich zu früh der freudigen Hoffnung hinzugeben daß es noch ein Englisches Kriegsschiff sein könne, ihre erstrebte Unabhängigkeit zu bestätigen.
Die Meinungen über das Aussehen des Schiffes waren dabei getheilt, während es Einzelne der Europäer nach dem Bau der Masten, denn von den Segeln war gar Nichts zu erkennen, für einen Franzosen hielten, behaupteten Andere den Amerikanischen Zuschnitt daran zu erkennen und nur ein kleiner Theil beharrte auf seinem Ausspruch England sei nicht zu verkennen und die Englische Flagge würde sich zeigen, so bald die Fregatte den Eingang passire.
Selbst die gerade in Papetee anwesenden, und gerade heute zu einer vertraulichen Sitzung berufenen Missionaire standen auf der Verandah des, in Papetee ansässigen Bruder Dennis versammelt, und blickten mit etwas ängstlicher Spannung der Entfaltung der Flagge entgegen, die besonders auf ihre Wirksamkeit einen entschiedenen Einfluß ausüben mußte.
Noch vor dem Sturm hatte ihre Sitzung begonnen, und während die Windsbraut heulend an den Pfosten des Hauses rüttelte, die Palmen wie Weidenruthen niederbog, und die reifen Früchte von den Bäumen riß, den Boden zu streuen mit Orange und Brodfrucht, die saftigen Stiele der Banane umknickte und duftige Blüthen weit und hoch hinaus in die Berge führte, lagen die schwarz gekleideten Männer in dem langen luftigen Gebäude auf den Knieen; und mischten ihre Hymnen und Sänge mit dem Gebrüll des Orkans, ein Preislied dem Herrn der Stärke und Barmherzigkeit.
Es waren die Brüder Rowe, Dennis und Nelson, Mc. Kean, Smith und Brower, zusammengekommen zu vertraulicher Berathung in so schwerer Zeit, und die eigentlichen Vertreter auch, wenigstens die wichtigsten, die sich gegenwärtig in der Südsee befanden, der Evangelischen Lehre nicht mehr nur Bahn zu brechen unter den Heiden, obgleich auch jetzt noch ganze Gruppen von Inseln ihren Göttern treu geblieben waren und den neuen Glauben mistrauisch von sich wiesen, sondern sich zu wahren und schützen gegen den Katholicismus, der ihren Fußtapfen gefolgt war und die Flügel jetzt ausbreitete, ihr eigenes Licht zu verdunkeln.
Bruder Dennis war unter diesen, und besonders in seinem Charakter als Missionair, jedenfalls der bedeutenste, und wenn auch nicht einer der ältesten, doch jedenfalls der eifrigsten Lehrer der Inseln, wo es nur galt dem einen heiligen Ziel entgegenzustreben, den Heiland zu verkünden und seiner Wunden Blut zu predigen in der Wüste. Er auch war Einer der Wenigen, die mit Hintansetzung jedes Gedankens an sich selbst in die Fremde zogen, die Bibel im Arm, das gehobene Kreuz, ja das Schwert in der rechten, wenn gereizt seinen Schatz zu vertheidigen, und rücksichtslos weiter schreitend dabei, welchen Glauben, welche Familienverhältnisse er unter die Füße trat, wenn er nur die Seelen der Verdammten rettete, und ihnen das Heil kündete, das ihnen Gott geboten, und das den Weg um die ganze Erde genommen, zu ihnen zu gelangen.
Eigennutz, Ehrgeiz war ihm fremd, keine Familienbande fesselten ihn, nicht Freundschaft, nicht Liebe hatten sein Herz auch nur für eine Stunde dem einen hohen Zweck seines Lebens abwendig machen können, und er hielt den Tag für verloren, an dem er nicht wenigstens einen, seinem Verderben entgegengehenden Sünder wach gerüttelt, und ihm den Abgrund gezeigt an dem er wandele, oder geduldet und gelitten hatte in der Verbreitung jenes Glaubens, der ihm Licht und Seligkeit und Luft und Liebe war.
Von schmächtigem aber nicht schwächlichem Körperbau, zäh bis zum äußersten und an Entbehrungen und Strapatzen gewohnt, die er eher aufsuchte als vermied, hatte er schon den größten Theil der Inseln durchstreift, den feindlichsten Stämmen dort mit »christlicher Demuth«, wie er's nannte, getrotzt, und ihren Hohen Priestern in den Bart die Machtlosigkeit und Nichtigkeit ihrer Götzen verkündet. Die Indianer achten den Muthigen, wo sie ihn auch finden, und muthig wahrlich mußte der sein, der allein und unbewaffnet in einem feindlichen Gebiet wahrhaft tollkühn das angriff, was der Gegner am theuersten hielt, und wofür er sein Leben eingesetzt hätte es zu bewahren; ja unter den Opferkeulen selbst hatte ihn schon dieser starre fanatische Trotz gerettet, und ihm die Achtung seiner bisherigen Feinde, ja oft den späteren Sieg über sie, gesichert.
Hier nun schon den Sieg in Händen, läßt es sich denken, mit welchem Schmerz und Zorn der »Diener des Herren« fremde Priester eindringen sah in sein Heiligthum, und den Bau untergraben, an dem seine Kirche schon Jahrzehende gebaut, und der ein Tempel Zions zu werden versprach in Pracht und Herrlichkeit. Mit zagender Hoffnung wohl, aber auch mit Furcht und Mißtrauen sah er deshalb dem Entfalten jener Flagge entgegen, die ihnen entweder die frohe Hülfe vom Mutterlande brachte, nach der sie sogar schon einen der Ihrigen, den ehrwürdigen Mr. Pritchard, zugleich Consul Ihrer Britannischen Majestät abgesandt hatten, oder neue Schwierigkeiten und Verlegenheiten bereiten konnte, den gierigen Forderungen Französischer Capitaine gegenüber.
Die Brüder Rowe und Nelson in ihrem so verschiedenartigen Charakter kennen wir schon.