»Und was führt unseren sehr ehrenwerthen Freund in solcher Aufregung zu uns?«
»Mr. Rowe,« erwiederte aber der Consul, ohne auf Ton oder Bemerkung der Frage einzugehen, und rasch die Stufen, selbst an dem Geistlichen vorbei, hinaufsteigend — »ich möchte ein paar Worte mit Ihnen und den übrigen Herren sprechen; aber augenblicklich sprechen« — setzte er rasch und ungeduldig hinzu, als er sah wie die geistlichen Herren noch unschlüssig zögerten. »Es gilt auch jetzt nicht die Privat-Interessen eines Protestantischen oder Katholischen Priesters,« fuhr er gereizt und heftig fort, »es gilt die Interessen, das Wohl dieses Landes, dessen Entscheidung Sie nun einmal — mit welchem Rechte soll hier unerörtert bleiben — in die Hand genommen. Ihnen allein ist es jetzt überlassen Alles noch friedlich zu Ende zu führen, oder auch einen Krieg heraufzubeschwören, der die traurigsten furchtbarsten Folgen haben müßte.«
Die Missionaire blieben erst stehn und drehten dann mit dem aufgeregten und gereizten Mann um, blieben aber oben auf der Verandah, wo sich die übrigen bald um Mr. Rowe und den Französischen Consul sammelten, und der Erstere sagte freundlich:
»Sie scheinen sich in der Person zu irren, verehrter Herr; wir Alle sind Männer des Friedens, denen es wahrlich nicht einfallen wird muthwillig, wie Sie meinen, einen Krieg heraufzubeschwören. Greift das Volk zu den Waffen, ein ihm unerträglich werdendes Joch abzuschütteln, oder selbst erst der Gefahr auszuweichen, seinen Nacken darunter gebeugt zu bekommen, was können wir, einzelne und unbewaffnete Männer dafür oder dawider thun? ja dürften wir das Volk zurückhalten, selbst wenn wir könnten, wo wir es auf der einen Seite von einer Religion bedroht sehen, die unserer schwachen Meinung nach zu ihrem jetzigen und späteren Verderben führen müßte, während wir es in Händen haben, sie wenigstens auf ein einstiges Heil vorzubereiten.«
Der Consul schritt rasch und ärgerlich auf der Verandah auf und ab, erwiederte aber kein Wort — er fühlte daß ihm bei der ersten Sylbe die er laut spräche, die Galle überlaufen müsse, und wollte jetzt in diesem, vielleicht für spätere Zeiten höchst wichtigen Augenblick Alles vermeiden, was ihm später vielleicht als Uebereilung oder Hitze hätte können zur Last gelegt werden.
»Und weigern Sie sich wirklich?« sagte er endlich nach einer längeren Pause, und in der That erst, als der Ehrwürdige Mr. Rowe schon wieder Miene machte die Verandah zu verlassen — »das blinde, mit allen Europäischen Verhältnissen unbekannte Volk von einem übereilten Schritt, wie das Niederreißen der Französischen Flagge zurückzuhalten? — bedenken Sie nicht, daß sich dieselben traurigen Scenen der Französischen Fregatte in Monaten vielleicht schon wiederholen, und Sie selbst dann in die mißlichste Lage der Welt bringen können?«
Der Ehrwürdige Mr. Rowe warf den Kopf stolz empor, und sagte mit vielleicht absichtlich sehr lauter Stimme:
»Weder Ihre Ueberredung Herr Consul, noch Ihre Drohungen können uns zu einem Schritt bewegen, den wir für unverträglich mit unserem Amte halten. Nicht die Politik, sondern die Religion dieses Landes brachte uns an diese Küste, und Frankreich hatte vielleicht einmal die Absicht den Protestantismus, da es ihm nicht durch die Lehre seiner Priester gelang, mit Feuer und Schwert auszurotten; aber die Zeit ist Gott sei Dank vorbei. Der Englische Consul ist, wie Sie wissen schon vor längerer Zeit nach Großbritannien gegangen, dort den Schutz unserer Confession, die Erhaltung unserer schwer erworbenen und verdienten Rechte zu sichern, und Sie sehen da draußen in See in jenem hellblinkenden Segel die Antwort unserer Nation. Monsieur Du Petit Thouars wird sich einen andern Wirkungskreis für seine Heldenthaten suchen müssen, denn nicht mehr blos mit wehrlosen Indianern und ihren friedlichen Lehrern und Fürsten hat er es von jetzt an hier zu thun.«
Mörenhout biß sich auf die Lippen, blieb einen Augenblick, wie noch etwas überdenkend, stehen, und wollte dann, ohne weiteres Wort, die Treppe wieder niedersteigen, als der alte ehrwürdige Mr. Nelson seinen Arm ergriff und freundlich sagte:
»Gehen Sie noch nicht, Consul Mörenhout; ein gutes Werk darf nicht so leicht aufgegeben werden, und ich halte die Absicht dafür, in der Sie hergekommen.«