»Siehst Du sie nicht da drüben, wie sie sich ziert,« lachte René jetzt, die Hand auf des Freundes Achsel legend.

»Die Insulanerin?« rief der Officier fast wie erschreckt, und so laut, daß die ihm nächsten Paare nach ihm umschauten, und selbst Sadie ängstlich nach René herüber blickte.

»Die Missionaire stecken ihr noch etwas in den Füßen,« fuhr René, wie entschuldigend gegen den Freund gewendet fort, »aber — gefällt sie Dir nicht?«

»Es ist ein liebes, holdes Kind,« sagte der junge Mann, plötzlich ganz still und ernst werdend — »so hold und schön wie der sonnige Himmel ihres Heimathslandes.«

»Und weshalb seufzest Du da so schwer?« lachte René.

»Aber weshalb befreist Du sie nicht von dem alten Gecken, der sie da quält und peinigt?« sagte Bertrand rasch — »sie hat ihm schon zehnmal den Tanz abgeschlagen, und er läßt immer nicht nach — er würde sich das bei einer weißen Dame nicht unterstehen.«

»Du hast recht,« sagte René schnell, und that einen Schritt nach vorn, setzte aber plötzlich langsamer und lächelnd hinzu: »es ist Einer meiner Freunde und kennt Sadie, wie den etwas puritanischen Geist, der sie manchmal noch von unsern Sitten und Gebräuchen als etwas, ihrer eigenen Religion widerstrebendem, zurückschrecken läßt. Doch komm Bertrand, wir dürfen uns der Gesellschaft nicht so lange entziehen, Madame Belard da drüben — ha wer ist jene junge Dame die dort mit Deinem Capitain jetzt tanzt? — ich habe sie noch nicht auf Tahiti gesehen.«

»Sie kommt von der Südseite der Insel, wie ich heute gehört,« erwiederte Bertrand, »wo sie in der Familie eines dort angesiedelten Franzosen gelebt. — Aber Deine Frau winkt Dir da drüben.«

»Monsieur Brouard wird zudringlich, wie mir scheint,« entgegnete René mit einem halb spöttischen Lächeln die Unterlippe beißend — »komm mit mir Bertrand, und ich zeige Dir mein Weib,« und den Arm des Freundes fassend, ging er mit ihm, die Tänzer vermeidend, zu der anderen Seite des Saales hinüber, wo ihm Sadie, sich jetzt ernstlich von dem alten Herrn losmachend, rasch entgegen kam.

»Ihre kleine Frau ist entsetzlich spröde,« rief ihm hier Monsieur Brouard mit einem etwas verlegenen Lächeln entgegen — »sie will unter keiner Bedingung mit mir den ersten Walzer tanzen.«