Jetzt wurde die Gangthür geöffnet, er kannte sie am Knarren. Da kam am Ende Lieschen, und der alberne Mensch stand auf dem Vorsaal, und draußen wurde jetzt geflüstert. Hans horchte hoch auf, das konnte doch nicht Lieschen sein? gewiß eines der Dienstmädchen aus dem Hause.
Die Stimmen kamen näher, und dicht vor seiner Thür blieben die Beiden, wer es auch immer war, halten.
»O, geh fort, Otto,« bat jetzt Lieschens Stimme – dem Hans war genau so zu Muthe, als ob ihn Jemand mit einem Messer in's Herz gestochen hätte – »ich habe den Vater schon in seiner Kammer gehört, und wenn er Dich hier mit mir fände, wäre ich unglücklich. Er hat überdies schon Verdacht geschöpft und mir gedroht. Wenn uns nun Jemand hier zusammen sähe!«
»Aber, liebes, herziges Kind,« bat des Fremden Stimme, »ich muß heute in die Stadt, und werde unter vierzehn Tagen nicht zurückkommen. Ich konnte doch nicht fortgehen, ohne Abschied von Dir zu nehmen.«
»Und Du mußt fort?«
»Würde ich gehen, wenn ich nicht müßte? Ach Lieschen, jetzt fühl ich erst wie lieb ich Dich habe, und daß ich nicht ohne Dich leben kann. O mein Gott, wie soll das später werden?«
»Ich weiß es nicht,« seufzte das Mädchen, »aber der Vater gäbe seine Einwilligung nie zu unserer Verbindung, und ich bin jetzt unglücklich für meine ganze Lebenszeit.«
»So bist Du mir wirklich gut?«
»Von ganzer Seele.«
Die Thür, vor der sie standen und sich umfaßt hielten, öffnete sich plötzlich und Hans trat heraus. Er sah leichenblaß aus und schritt, ohne ein Wort zu sagen, langsam und den Blick stier auf Herrn von Secklaub geheftet, auf diesen zu.