»Nun Gott gebe,« sagte Krowsky mit einem Seufzer, »daß sie das Nämliche auch einmal später von Dir sagen kann. Wenn Du in Dein Unglück hineinrennen willst, ich kann Dich nicht halten, aber meine Meinung ist, daß Du Dich für Lebenszeit unglücklich machst, und das Mädchen besser thäte, den ärmsten Schuhmachergesellen im ganzen Ort zu nehmen, als den Sohn des Regierungspräsidenten von Benner.«

Benner sah finster vor sich nieder; er hatte von dem sonst so leichtherzigen, ja oft leichtfertigen Lieutenant ein anderes Urtheil erwartet; aber das dauerte nicht lange – um seine Lippen zuckte ein spöttisches Lächeln und er sagte endlich:

»Krowsky, ich werde Dich ersuchen die Trauungsrede zu halten, heißt das, wenn Du Dich je wieder einmal in eine so salbungsvolle Stimmung versetzen kannst. Jetzt komm, wir wollen ein wenig ausgehen, und nachher stell' ich Dich meiner Braut vor –«

»Im Hause des Apothekers Schrader?« spottete Krowsky, »sie wird gerade bei ihrer Arbeit sein.«

»Aergere mich nicht,« rief aber Benner; »es versteht sich von selbst, daß sie den Platz noch heute verläßt oder schon verlassen hat.«

»Und wann soll die Hochzeit sein?«

»Sobald als möglich – ich bin das Leben satt und will ein neues beginnen.«

Krowsky antwortete nicht mehr; er sah, daß alle Gegenvorstellungen doch nichts halfen, und nur aufseufzend und mit dem Kopf schüttelnd, nahm er seinen Hut und folgte dem Freund, der ihm voran auf die Straße hinausschritt.

Sie waren noch nicht weit gegangen, als ihnen der Apotheker Schrader begegnete, den beiden jungen Leuten zunickte und vorüber ging. Kaum hatten sie ihn aber passirt, als er stehen blieb und zurückrief:

»Ach, Herr Benner, ich wollte Ihnen gern etwas sagen.«