Dazu kam noch, daß er gleich in den ersten Tagen eine Beschäftigung fand, wie sie seiner ganzen Erziehung angemessen war. Er mußte die jetzt ihm gehörenden Güter und Grundstücke revidiren, und wieder im Sattel auf einem Vollbluthengst, mit einem Reitknecht hinter sich und an Graf Galaz' Seite, durchritt er die fruchtbaren Fluren und besuchte die alten lieben Plätze seiner Jugend, die jetzt sein Eigenthum geworden, seine Heimath aufs Neue bilden sollten.
Wieder und wieder tauchte dabei der Gedanke an sein Weib in ihm auf, aber wie war es möglich, sie in diesen Rahmen zu fassen – und wären außerdem die Eltern in Australien geblieben, wenn ihre Tochter nach Deutschland zurückging und ein Schloß bezog?
»Was fehlt Dir, Eduard, Du bist so nachdenkend geworden,« sagte der neben ihm reitende Graf, der ihn schon eine Weile schweigend beobachtet hatte.
»Oh, nichts – nichts, Rudolph,« erwiderte sein Gefährte, indem er aber doch leicht erröthete, »nur der Uebergang von so verschiedenen Lebensbahnen war ein wenig zu rasch, zu jäh; kein Wunder, daß ich mich noch nicht so in Alles finden kann, was mich hier umgiebt, daß es mir ungewohnt, fremd vorkommt.«
»Gewiß, gewiß,« nickte ihm sein Schwager zu, – »aber an das Bessere gewöhnt man sich leicht wieder, und Du sollst einmal sehen, Eduard, wie rasch Du Dich in das Alles hineinleben wirst. In drei, vier Monaten schon wird Dir Deine überseeische Expedition wie ein Traum vorkommen, aus dem Du glücklicher Weise zu einer behaglichen und erfreulichen Wirklichkeit erwacht bist. Schüttle deshalb die trüben Gedanken ab, Kamerad, sie taugen nichts für den sonnigen Tag und besonders nicht für die freundlichen Augen, die uns dort entgegenwinken.«
»Dort? – wo?« sagte Eduard überrascht.
»Der Park hier,« sagte der Graf, »gehört dem alten Comthur Benthausen, der da bei seinen Enkelkindern lebt, und eine liebenswürdigere Familie möchtest Du kaum auf der ganzen weiten Welt finden, als diese hier. Wir dürfen nicht vorbeireiten, denn der alte Herr würde es mir nie vergeben, wenn ich Dich nicht zu ihm gebracht hätte. Wir haben die letzten Monde viel von Dir gesprochen.«
»Aber kommen wir ihnen jetzt gelegen?«
»Denen? Immer, und wenn es Morgens um acht Uhr wäre, denn dann träfen wir die Damen schon auf ihrem Morgenspaziergang im Park – halt, hier rechts – wir reiten hier gleich durch die kleine Pforte.«
Einer der Reitknechte war schon abgesprungen, um das schmale, eiserne Thor zu öffnen, das fast versteckt unter dichten Festons von Epheu und wildem Wein lag, und gleich darauf tauchten sie in den kühlen Schatten eines herrlichen Parkes ein, der mit reizenden Gruppen mächtiger Buchen, Eichen, Tannen, Kiefern und Birken, mit üppigen Grasflächen und von murmelnden Bächen durchschnittenen Gebüschen wechselte.