»Ja aber mein Kind –« wiederholte der Mann bestürzt, denn er konnte sich das wunderliche Betragen der Frau nicht erklären – »ich begreife noch immer nicht, was Du willst. Was ist denn dort, und weshalb deutest Du auf den Stuhl und siehst so bestürtzt aus, als ob Dir ein Geist erschienen wäre?«

»Siehst Du ihn nicht?« sagte die Frau leise, ohne ihre Stellung auch nur um eines Haares Breite zu verändern.

»Wen denn?« rief Bertling halb ärgerlich und halb erschreckt noch einmal den Kopf nach der bezeichneten Richtung zu drehend.

»Den fremden Mann,« erwiderte die Frau, die Worte aber viel mehr hauchend als sprechend, »der dort auf dem Stuhl am Ofen sitzt.«

»Den fremden Mann? – aber Kind, ich bitte Dich um Gotteswillen.«

»Sprich nicht so laut. Wenn er die Augen zu mir hebt, ist es immer, als ob mir ein Messer durch die Seele ginge.«

»Aber wie sollte denn der hierher gekommen sein,« lachte Bertling gutmüthig – »sei doch vernünftig.«

»Wie die Thür aufging,« flüsterte die Frau »trat er herein, ging still am Ofen vorüber und setzte sich dort nieder – aber siehst Du ihn denn nicht?«

»Mein liebes Herz« suchte sie der Justizrath zu beschwichtigen – »wenn dort irgend Jemand auf dem Stuhle säße, so müßte ich ihn allerdings auch sehen, nicht wahr? Aber ich sehe Nichts als den leeren Stuhl. Komm Schatz, das ist wieder einer von Deinen häßlichen Träumen – schüttle ihn ab – Nun? – ist er noch da?« setzte er lachend hinzu, als die Frau wie warnend die Hand gegen ihn hob.

»Pst! sei ruhig!« sagte sie tonlos – »jetzt regt er sich. Er sieht Dich an.«