»Sie dürfen sich mir wie einem Bruder anvertrauen,« sagte James Burton herzlich, »und ich bürge Ihnen dafür, daß ich durchführe, was ich unternommen – trotz allen Hamiltons der Welt,« setzte er mit leisem Trotz hinzu.

»So wiedersetzte sich der Herr dem, daß ich Sie begleiten dürfe?« fragte rasch und mißtrauisch die Fremde.

»Lassen wir das,« lächelte aber Burton, »ich bin mein eigener Herr und in meiner Begleitung steht Niemandem ein Recht zu, Sie auch nur nach Paß oder Namen zu fragen. Und Sie gehen mit?«

»Wie könnte und dürfte ich einer solchen Großmuth entgegenstreben?« sagte das junge Mädchen demüthig – »ich vertraue Ihnen ganz.«

»Herzlichen, herzlichen Dank dafür,« rief Burton bewegt, »und Sie sollen es nicht bereuen. Jetzt aber lasse ich Sie allein, um noch alles Nöthige zu ordnen, denn ich muß selbst noch packen und die Wirthsrechnung, wie Ihrer Gesellschafterin Honorar, in Ordnung bringen. Sie müssen mir auch schon gestatten, für die kurze Zeit unserer Reise Ihren Cassirer zu spielen. Beruhigen Sie sich,« setzte er lächelnd hinzu, als er ihre Verlegenheit bemerkte – »ich gleiche das später schon alles mit Ihrem Herrn Vater wieder aus, und werde Sorge tragen, daß ich nicht zu Schaden komme. Also auf Wiedersehen, Miss – aber beeilen Sie sich ein wenig, denn wir haben kaum noch anderthalb Stunden Zeit bis zu Abgang des Zuges,« und ihre Hand leicht an seine Lippen hebend, verließ er rasch das Zimmer.

Sobald er unten mit dem Wirth abgerechnet und seine Sachen gepackt hatte, wollte er noch einmal Hamilton aufsuchen, um von diesem Abschied zu nehmen. Es that ihm fast leid, ihn so rauh behandelt zu haben. Der Polizeiagent war aber, gleich nachdem er ihn verlassen, ausgegangen und noch nicht zurückgekehrt.

Eigentlich war ihm das lieb, denn er fühlte sich ihm gegenüber nicht recht behaglich; zu reden hatte er überdies weiter nichts mit ihm, und was Kornik betraf, so besaß er ja selber alle die nöthigen Instruktionen und Vollmachten. Er hatte ja nur die Reise nach dem Continent mitgemacht, um die Identität seiner Person zu bestätigen – jetzt, mit all den vorliegenden Beweisen und dem eigenen Geständniß des Verbrechens war seine Anwesenheit unnöthig geworden.

Die Zeit bis halb vier Uhr verging ihm auch mit den nöthigen Vorrichtungen rasch genug – jetzt war alles abgemacht und in Ordnung, und ebenso fand er Jenny schon in ihrem Reisekleid, aber in merkwürdig erregter Stimmung. Sie sah bleich und angegriffen aus, und drehte sich rasch und fast erschreckt um, als er die Thür öffnete.

»Sind Sie fertig?«

»Und gehen wir wirklich?«