»Veremos!« erwiderte der Capitän trocken und stieg in sein Boot hinab, mit dem die Leute schon seiner warteten. Er nahm nicht einmal eine weiße Fahne mit, sondern steuerte das Boot direct auf eine sich am Strand sammelnde Menschengruppe zu, weil er an der Stelle ziemlich richtig den besten Landungsplatz vermuthete. Zu gleicher Zeit sah er, wie die an den Sandschanzen aufgestellte Mannschaft im Sturmschritt mit ihren beiden kleinen Kanonen herbeieilte, um — wenn nöthig — vielleicht den Landungsplatz zu vertheidigen, denn daß sie gegen die Schiffe selber mit ihren Geschützen nichts ausrichten konnten, hatten sie wohl bei dem ersten Mal Feuern bemerkt.

Der Alkalde erwartete ihn schon, und diesmal fest entschlossen, sich durch den Postmeister nicht wieder das Wort vor dem Mund wegnehmen zu lassen. Er trat auch dem Capitain, sowie dieser an's Land sprang, entgegen und sagte, indem er ihm die Hand reichte und schüttelte:

»Buenos Dias, Señor! — Sehr angenehm, Ihre Bekanntschaft zu machen. Können Sie uns vielleicht Aufklärung geben, zu welchen Zweck Sie hier Ihre beiden Schiffe vor unserer Stadt geankert haben?«

Ein leises Lächeln flog über die Züge des Seemannes, als er antwortete:

»Mit weit größerem Rechte, mein verehrter Señor, könnte ich Sie fragen, weshalb Sie auf ein paar Schiffe Ihres eigenen Landes, die einen Hafen ihres eigenen Territoriums besuchen, feuern lassen. — Bitte, unterbrechen Sie mich nicht. Wäre ich Ihnen wirklich feindlich gesinnt, was hinderte mich, furchtbare Rache für die Beleidigung zu nehmen, denn Sie werden mir zugeben, daß eine einzige in diese Bambushäuser gefeuerte Kanone entsetzliche Verwirrung anrichten und viele Menschenleben gefährden würde. Um aber kein Blut treuer Unterthanen unseres theueren Vaterlandes zu vergießen, um den Bürgerkrieg nicht auf dies friedliche Eiland zu tragen, komme ich noch einmal zu Ihnen, um Sie aufzufordern, das zu thun, was Sie doch nicht mehr ändern können: Sr. Excellenz den jetzigen Präsidenten der Republik, Señor Mosquera, anzuerkennen und ihm Treue zu schwören. Ich selber komme nur als der Feind derer, die den Huldigungseid verweigern — im anderen Fall sind wir Freunde und Bundesgenossen, und ich stehe mit meiner Person dafür, daß Sie weder an Ihrer Stadt, noch irgend einem derselben angehörenden loyalen Bürger geschädigt werden sollen.«

»Aber bester Herr,« sagte der Alkalde, durch die freundliche und vernünftige Anrede schon halb gewonnen und nur noch in Verlegenheit, wie er vor den Umstehenden eine vielleicht etwas zu rasche Sinnesänderung beschönigen sollte, »wir — wir wissen hier eigentlich noch gar nichts von Sr. Excellenz, dem neuen Präsidenten. Wir sind friedliebende Menschen, die mit keinem Lande einen Krieg wollen — am allerwenigsten mit dem eigenen, aber wie — wie bekommen wir denn eine Garantie, daß nicht — ohne jedoch das Geringste gegen Ihre eigene Person andeuten zu wollen — daß nicht irgend ein Schiff bei uns anlegen könnte, welches irgend einen neuen Namen als Präsident und Regierung aufstellt und Besitz von der Insel ergreift?«

»Darüber beruhigen Sie sich,« sagte der Seemann; »ich handele nicht nach eigener Machtvollkommenheit, sondern habe einen Regierungs-Commissair an Bord, der, von Buenaventura aus mit allen nöthigen Papieren und Schriftstücken beglaubigt, das Weitere mit Ihnen auf vollkommen gesetzlichem Wege in Ordnung bringen wird. Der Herr ist Ihnen auch, soweit ich erfahren habe, nicht einmal ein Fremder, sondern war früher selber, wie er mich versicherte, ein Einwohner oder wohl gar ein Beamter dieser Insel —«

»In der That? Und sein Name?«

»Señor Fosca.«

»Fosca? Alle Teufel!« platzte der Alkalde etwas erstaunt heraus; »Señor Fosca ist Regierungs-Commissair geworden?« Aber es blieb ihm keine Zeit mehr zum Ueberlegen, denn der Postmeister kam gerade mit einem Theil seiner Leute wenigstens herbei, da ihm keineswegs alle folgten. Die Meisten, indem sie eine Beschießung der Stadt fürchteten, liefen nach ihren Häusern, um dort zu retten, was sie retten konnten. Der Alkalde war aber fest entschlossen, diesmal ohne den Postmeister zu handeln, und sagte deshalb rasch und bestimmt: