»Und kennen Sie mich noch nicht, Señorita?« fragte der junge Mann herzlich. »Auch Sie nicht, Señor Ramos? Hab ich mich so entsetzlich verändert, oder ist die Erinnerung an den armen kranken Matrosen, den Sie in Ihrem Haus in Buenaventura so treulich pflegten, ganz Ihrem Gedächtniß entschwunden?«

»Don Batista!« rief Ramos, seine Hand ergreifend und herzlich schüttelnd. »Wie sollen wir Ihnen das je danken?«

»Danken?« entgegnete der junge Mann. »Ich bin lange genug Ihr Schuldner geblieben. Jetzt wollen wir vor allen Dingen dieses unglückselige Menschenkind losbinden,« fuhr er lachend fort, um den Dank von sich abzuwenden. — »Allmächtiger Gott, wie sieht dieser Neu-Granadiensische Commissair aus! Hier ist seine Macht aber vorbei. Wir sind innerhalb der Grenzen von Ecuador, und der Platz, dem wir uns nähern, soviel ich gehört habe, in den Händen einer englischen Compagnie. Was fangen wir mit dem elenden Patron an?«

Noch während er sprach, hatte er die Leine gelöst, die des Gefangenen Hände und Arme zusammenschnürte und Fosca richtete sich mühsam empor. Er sah in der That entsetzlich aus. Sein Gesicht war, von dem Schlag der ihn betäubte, mit geronnenem Blut und dem Schmutz des Bootes bedeckt, sein Rock und Hemd zerrissen, und der boshafte Blick des Buben flog scheu und tückisch von Einem zum Andern.

»Beim Himmel,« lachte Baptiste, »ich weiß, was ich thue. Mir fehlt gerade ein Erwerbszweig und ich werde die Jammergestalt hier in San Lorenzo für Geld sehen lassen. Entrée ein halbes Pfund Cacaobohnen oder ein Dutzend Esmeraldas-Cigarren.«

»Ihr habt jetzt die Macht,« knirschte der Gefangene zwischen den Zähnen durch, »aber es wird eine Zeit kommen, wo Ihr mir Rechenschaft für diese Behandlung geben sollt. Ich bin Neu-Granadiensischer Beamter und Präsident Franco in Ecuador wird nicht dulden, daß ich so behandelt werde.«

»Präsident Franco wird in nächster Zeit noch viel mehr dulden müssen,« lachte Baptiste verächtlich, »wenn sie ihn nicht etwa jetzt schon aus dem Land hinausgejagt haben. Aber Frieden, Kamerad. Du hast uns an Bord genug geärgert, um diese Züchtigung zu verdienen, hättest Du nicht auch wie ein Verräther und Schuft an diesen braven Leuten gehandelt.... Von jetzt an — und das ist die mildeste Strafe, die Dir werden konnte — keine Gemeinschaft mehr zwischen uns! Hier setze ich Dich an das Land, und dann sorge dafür, mein Bursche, daß Du so rasch als möglich in Dein gesegnetes Neu-Granada hinüber kommst, denn erfahren sie hier Deine Geschichte, so stehe ich Dir für Nichts. Dort liegt San Lorenzo,« fuhr er fort, als sie eben eine Biegung der Bai erreichten, die sich nach Osten in das innere Land hineinzog. »Dort liegen die friedlichen Fischerwohnungen eines braven Volkes. Dort, Señor Ramos, können Sie, wenn Sie nicht in das Innere gehen wollen, die Entwickelung der Wirren Ihres Vaterlandes ruhig abwarten, denn unter diesen Leuten lebt kein Verräther.«

»Aber Sie bleiben bei uns,« fiel die Señora rasch ein — »Sie müssen uns Gelegenheit geben Ihnen zu beweisen, wie tief wir uns Ihnen verpflichtet fühlen.«

»Vorerst,« lachte Baptiste, »werde ich hier meine mitgebrachte Waffensammlung verkaufen, die wenigstens einen Theil des Lohns einbringen kann, den mir die Regierung des braven Mannes da für erzwungene Dienste schuldig ist und dann — Quien sabe — das Uebrige findet sich.«

Das Boot glitt, fast nur durch die Fluth vorwärts getragen, in eine kleine Bucht ein, die im Westen das Fischerdorf begrenzte; gleich an der äußersten Spitze, an einem dort vorspringenden Felsen landete Baptiste und sagte zu Fosca: