»Rebellion?« zischte der Weiße zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch — »aber dafür giebt's ein Mittel, Nero, wenn sich der Hund widersetzt, klopfe ihn einmal mit Deiner Macheta auf den Schädel.«
»Den wollen wir schon kriegen,« lachte der riesige Mulatte, indem er die Macheta ergriff — »fort mit Dir, Caracho!« rief er dabei, indem er den Neger mit der Faust in den Nacken griff, und ihn vorwärts stoßen wollte — »hinunter die Bank da, oder ich mache Dir Beine.«
José hatte sich, der rohen Uebermacht gegenüber, bis jetzt so schwach und willenlos gezeigt, daß die beiden Mulatten ihn schon auf dem ganzen Weg zur Zielscheibe ihres Spottes gemacht. Was er aber auch ertragen und geduldet, so lange er sich allein und hülfslos wußte, und vielleicht selber dabei fühlte, wie große Schuld er an seiner eigenen Knechtschaft trage, jetzt in Eva's Gegenwart kochte sein Blut auf, und jäh emporfahrend stieß er den Mulatten vor die Brust, daß dieser zurücktaumelte, in einer Wurzel hängen blieb und mit schwerem Schlag, der Länge nach, zu Boden stürzte.
»Caracho,« rief der andere Mulatte, und sprang dem Neger nach der Kehle, und dieser konnte sich seines Gegners kaum erwehren, als Nero mit einem wahren Wuthgeheul vom Boden emporschnellte.
»Negerbestie,« schrie er dabei, und mit der schweren und scharfen Macheta ausholend, sprang er von hinten auf José zu.
»Mörder!« kreischte da Eva, die in zitternder Todesangst Zeuge des beginnenden und so ungleichen Kampfes gewesen. Sie wußte dabei kaum, was sie that, aber die Lanze, die sie noch immer hielt, mit beiden Händen fassend, rannte sie die Spitze derselben dem Mulatten, gerade als er den Stich gegen José führen wollte, in die Achselhöhle hinein, daß er mit einem gellenden Aufschrei zusammen brach.
Mit einem gotteslästerlichen Fluch riß in diesem Augenblick der Ecuadorianer einen Revolver aus seiner Tasche und drückte ihn drei vier Mal auf das Mädchen ab; aber Du lieber Gott, er trug die Waffe schon wochenlang in der Tasche, und in diesem ewigen Regen, und ununterbrochenen feuchten Dünsten, die dem Boden entsteigen, versagt ja schon nach zwölf Stunden jedes frisch geladene Gewehr, und machtlos schlug der Hahn auf die Hütchen nieder.
Aber jetzt war auch José's Blut in Wallung gerathen, und die Macheta aufgreifend, die der Hand des zusammenbrechenden Mulatten entfallen war, warf er sich in blinder Wuth auf seinen bisherigen Herrn, der es indessen nicht für gerathen fand, den Angriff abzuwarten. Auch der Mulatte hatte mit Entsetzen seinen Kameraden stürzen sehen, und Beide — er wie der Weiße, stoben vor den gegen sie gehobenen Waffen des zur Verzweiflung getriebenen Negerpaars in die nächsten Büsche hinein, und aus Sicht.
José wäre nun am liebsten dem Weißen gefolgt, und dessen Leben war dann verloren, aber Eva ergriff seinen Arm, und in der Angst, daß noch irgend ein unglücklicher Zufall ihre Flucht hemmen könne, rief sie bittend:
»Komm José — o komm — da naht das Canoe — es führt uns der Heimath entgegen —«