Abb. 23. Wildemann.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Die Niederschläge.
Inbetreff der Niederschlagshöhe, des zweiten Hauptfaktors des Klimas, steht der Harz mit dem übrigen Mitteldeutschland unter dem Einfluß des Atlantischen Ozeans. Nur die von diesem heranstreichenden Winde können uns die erforderliche Feuchtigkeitsmenge bringen, denn im Süden sperrt uns die Gletschermauer der Alpen gegen den Einfluß des Mittelländischen Meeres ab, und im Nordosten und Osten sind uns weite, zusammenhängende Landmassen vorgelagert, die um so größer erscheinen, wenn wir hierbei auch die Ostsee als Land behandeln; ihr Einfluß auf die Niederschlagshöhe ist nämlich aus drei Gründen außerordentlich gering: sie hat nur geringen Umfang, ist meistens kälter als die offene See und liegt nicht in unserer Hauptwindrichtung.
Das Vorwalten der Südwestwinde in Mitteldeutschland ist nicht nur die Folge der Rechtsablenkung der Winde durch die Drehung der Erde, sondern wird zugleich durch das sogenannte Azorische Maximum, das ist ein Gebiet hohen Luftdruckes im Südwesten über dem Atlantischen Ozean (in der Gegend der Azoren), durch das im größten Teil des Jahres über dem Atlantischen Ozean im Nordwesten (in der Gegend von Island) ruhende Gebiet niedrigen Luftdruckes, und durch die konstante Abnahme des Luftdruckes vom 45. bis 50. Breitengrade nach Norden zu verursacht.
Abb. 24. Grund.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Kein Punkt in Mitteldeutschland ist nun für diese Klarlegung so geeignet wie der hochragende Brockengipfel, da auf diesem die Windrichtung durch örtliche Hemmung und Ablenkung nicht beeinflußt werden kann. Nach der achtteiligen Windrose kommen auf dem Brocken 15% aller beobachteten Windrichtungen auf NW, 23% auf W, 24% auf SW, zusammen also 62% — nach dem Wolkenzuge sogar 74% — auf die für uns Regen führenden Winde (auf S nur 10, SO und O je 8, NO und N je 6%.)