Ernst. Tut nichts, du gehörst auch mit dazu, Gräber sollen stillschweigen, oder so reden, daß auch der Geringste sie versteht! Genauso soll er's machen, wie ich's ihm angab: den Heiland, unsern allbarmherzigen Erlöser, mit ausgebreiteten Armen, die Abgeschiedene zu seinen Füßen, wie man die heilige Martha malt, aber mit verhülltem Gesicht, da doch niemand wissen kann, wie sie jetzt aussieht, und ganz unten ich und mein Sohn Albrecht, wie wir für ihre arme Seele beten! Das sag ihm, dies da kann er auf sein eignes Grab setzen, ich bedank mich dafür, ich hätt' mir aus der Kölner Bauhütte etwas andres erwartet, das ist die Reisekosten nicht wert!

Stachus (mit dem Bogen ab).

Fünfte Szene

Ernst. Die hätten schön zu deinem demütigen, frommen Sinn gepaßt, du stille Elisabeth, all diese Engel mit Flügeln und Trompeten, die blasen, als ob die Himmelskönigin zum zweiten Mal ihre Auferstehung feierte! Und ich hatt' ihm alles so deutlich angegeben! Aber, das muß immer scharwenzeln, immer, es wär' kein Wunder, wenn man's am Ende gar vergäße, daß man von der Erde genommen ist und wieder zur Erde werden soll, und es scheint doch vielen zu gefallen, sonst würden's diese Leute ja wohl nicht bei jedermann versuchen!

Sechste Szene

Der Kanzler Preising (tritt ein).

Ernst. Schon da, Preising? Gut! Wißt Ihr was? Wir wollen von heut an immer eine Stunde früher anfangen! Niemand weiß, ob er nicht Feierabend machen muß, ehe er müde ist! Wieviel hatte die Herzogin noch vor, nun liegt sie da! Was bringt Ihr?

Preising. Zuvörderst! Die Klagen über den Wucher der Juden mehren sich!

Ernst. Man soll sich so einrichten, daß man die Juden nicht braucht! Wer nicht von ihnen borgt, wird nicht arm durch sie, und ob sie funfzig vom Hundert nehmen!

Preising. Es ist der Juden selbst wegen, daß ich darauf zurückkomme.
In Nürnberg schlägt man sie schon tot, wie die Hunde, und böse
Beispiele stecken eher an, als gute!