Gyges.
Ich lächle nicht!
Kandaules.
So solltest du! Wer kann
Denn nicht so prahlen? Sprächst du so zu mir,
Wie ich zu dir, ich sagte: zeig sie mir,
Sonst schweige still!
Gyges.
Ich traue Dir!
Kandaules.
Ei was!
Dem Auge soll man trauen, nicht dem Ohr.
Du traust mir! Ha! Vor diesem blöden Kinde
Erglühtest du und jetzt—Genug, genug,
Ich will mich nicht mehr schwatzend vor dir brüsten,
Wie ich's so lange Zeit nun schon getan,
Du sollst sie sehn!
Gyges.
Sie sehn!
Kandaules.
Noch diese Nacht!
Ich brauche einen Zeugen, daß ich nicht
Ein eitler Tor bin, der sich selbst belügt,
Wenn er sich rühmt, das schönste Weib zu küssen,
Und dazu wähl ich dich.
Gyges.
Oh, nimmermehr!
Erwägst du—Für den Mann wir's eine Schmach,
Doch für ein Weib, und für ein Weib, wie sie,
Das selbst bei Tag—
Kandaules.
Sie kann's ja nie erfahren!
Hast du den Ring vergessen? Und ich bin
Erst glücklich, wenn dein Mund mir sagt, ich sei's.
Ei, frag dich selbst, ob du die Krone möchtest,
Wenn du sie nur im Dunkeln tragen solltest!
Nun, so ergeht es mir mit ihr! Sie ist
Der Frauen Königin, doch ich besitze
Sie, wie das Meer die Perlen, keiner ahnt,
Wie reich ich bin, und ist einst alles aus,
So kann's kein Freund mir auf den Grabstein setzen,
Und Bettler unter Bettlern lieg ich da.
Drum widerstrebe nicht und nimm den Ring!
(Er reicht ihn Gyges, dieser nimmt ihn nicht.)
Die Nacht bricht ein, ich zeig dir das Gemach,
Und wenn du siehst, daß ich's mit ihr betrete,
So folgst du uns!