Thoas.
Seit fünf Jahrhunderten
Erschien kein König anders bei den Spielen,
Die dein gewalt'ger Ahn gestiftet hat,
Und als du es das letzte Mal versuchtest,
Die alten Heiligtümer zu verdrängen,
Da stand das Volk entsetzt und staunend da
Und murrte, wie noch nie!
Kandaules.
Nun meinst du denn,
Ich hätt's mir merken und mich bessern sollen,
Nicht wahr?
Thoas. O Herr, nicht ohne
einen Schauder
Berühre ich dies Diadem, und nie
Hab ich dies Schwert am Griff noch angefaßt,
Das alle Herakliden einmal schwangen.
Doch deinen neuen Schmuck betracht ich ganz,
Wie jedes andre Ding, das glänzt und schimmert,
Und das man hat, wenn man's bezahlen kann.
Nicht an Hephästos brauche ich dabei
Zu denken, der dem göttlichen Achill
Die Waffen schmiedete, und in dem Feuer,
Worin er Zeus die Donnerkeile stählt,
Auch nicht an Thetis, die durch ihre Töchter
Ihm Perlen und Korallen fischen ließ,
Damit es an der Zierde nicht gebreche:
Ich kenn den Mann ja, der das Schwert geliefert,
Und jenen, der das Diadem gefügt!
Kandaules.
Nun, Gyges?
Thoas. Herr, die Treue spricht aus mir,
Bin ich zu kühn, so bin ich's deinetwegen!
Und glaube mir: die vielen Tausende,
Die hier zusammenströmen, wenn sie auch
In feinrer Wolle gehn und leckrer essen,
Sind ganz so töricht oder fromm, wie ich.
Dein Haupt und dieser Reif, das sind für sie,
Trau deinem Knecht, zwei Hälften eines Ganzen,
Und ebenso dein Arm und dieses Schwert.
Kandaules.
Das denken alle?
Thoas.
Ja, bei meinem Kopf!
Kandaules
So darf's nicht länger bleiben! Nimm denn hin
Und tu, was ich gebot.
Thoas (mit dem alten Schmuck ab).
Gyges.
Du tatst ihm weh.