Lesbia (tritt herein).
Vergibst du, Königin?

Rhodope.
Was denn, mein Kind?
Daß du zu mir zurückkehrst? Oh, vergib
Nur du, daß ich dich von mir lassen konnte,
Mir war—ich wußte selbst nicht, was ich tat.
Doch mein ich, daß der König zu mir sagte,
Du gingest gern, und ach, ich hatte ihm
In jener Nacht so viel schon weigern müssen,
Daß mir der Mut zum neuen Nein gebrach.

Lesbia.
So bin ich nicht mehr frei? So darf ich mich
Zu deinen Dienerinnen wieder zählen?

Rhodope.
O nein! Als Schwester komm an meine Brust.

Lesbia.
Was ist geschehn? Du bist bewegt, wie nie.

Rhodope.
Entsetzliches, das keinen Namen hat!
Denn, eh' ich's nennen kann, hat sich's verändert
Und ist noch grauenvoller, als es war.
Ja, Nachtgeburt, die mir entgegengrinst,
Mir deucht, dein erstes Antlitz könnt' ich küssen,
Nun dämmernd mir das zweite sich enthüllt.

Lesbia.
Kann ich was für dich tun?—Die Frage ist
Wohl töricht, nicht?

Rhodope.
Du kannst nicht töten, Mädchen,
Und wer nicht töten kann, der kann für mich
Auch nichts mehr tun.

Lesbia.
Gebieterin!

Rhodope.
So ist's!
Du starrst mich an, du kannst es gar nicht fassen,
Daß solch ein Wort aus meinem Munde kommt.
Ja, Lesbia, ich bin's! Rhodope ist's,
Die euch so oft gewarnt und abgehalten,
Dem Tode in sein traurig Amt zu greifen,
Und wenn es auch nur eine Spinne galt!
Ich hab es nicht vergessen, doch das war,
Als ich im frischen Morgentau mich wusch
Und in dem Strahl der Sonne trocknete:
Jetzt rufe ich nach Blut, jetzt ist von mir
Nur so viel übrig, als die Götter brauchen,
Um das zu rächen, was ich einmal war!