Hero.
Nun schickte sie mich fort, ich aber lauschte
Und sah, daß sie mit einem spitzen Dolch,
Wie zum Versuch, ich kann's nicht anders nennen,
Den Arm sich ritzte.
Lesbia.
Hero!
Hero.
Ja, es kam
Auch rotes Blut.
Lesbia.
Entsetzlich!
Hero.
Freilich ehrt
Sie neben unsern Göttern auch noch fremde,
Die wir nicht kennen, und so ist's vielleicht
Ein dunkler Brauch!
Lesbia.
Nein, nein! Wo tönt die Flöte
Und wo das Rohr? Wer singt den Hymenäus?
Wo sind die Tänzerchöre? Ich war blind!
Sie zog hinaus, um nicht mehr heimzukehren!
Oh, Königin, ich bitt dir ab!—Wird denn
Ein Mahl gerüstet?
Hero.
Nein! Daß ich nicht weiß!
Lesbia.
So sei der Trotz verflucht, der mich bewog,
Mich eben heut so fern von ihr zu halten,
Nun—Göttin, sie ist dein zu dieser Stunde,
So wende du ihr Herz! Ich kann's nicht mehr.
Hero.
Ja, reine, keusche, heilige, das tu!—
Und ist es nicht auch seltsam, daß sie sich,
Anstatt der ewig heitern Aphrodite,
Die strenge Hestia, vor deren Blicken
Der grünste Kranz verdorrt, zur Zeugin wählt?
Lesbia.
Ach, alles deutet aufs Entsetzlichste.