Rhodope.
Wenn er so edel in das düstre Reich
Hinunterstieg, wo keiner sich aufs neue
Mit Schuld befleckt, so werde ich ihm gern,
Und wär's auch auf der Schwelle schon, begegnen,
Ja, ihm mit eigner Hand vom Lethe schöpfen
Und selbst verzichten auf den sel'gen Trunk.
Dich aber mahn ich: ende jetzt!
Gyges.
Es sei!—
Doch dies gelob ich dir, du teurer Schatten,
Ich zieh hinaus, so wie's geschehen ist!
Rhodope.
Auch ich gelobte etwas!
Gyges.
Königin,
Wer einen solchen Kelch voll Seligkeit
Beiseite stellt, wie ich, und wär's auch nur
Für eine Stunde, der verdient sich ihn.
Rhodope.
Still, still, du bist an einem heil'gen Ort.
(Sie schreiten zum Altar.)
Rhodope.
O Hestia, du Hüterin der Flamme,
Die das verzehrt, was sie nicht läutern kann:
Ich dank es diesem Jüngling, daß ich wieder
Vor deinem Angesicht erscheinen darf,
Und, wie das Volk zum König, so erhebe
Ich ihn, sei du mir Zeugin, zum Gemahl.
(Sie reicht Gyges die Hand.)
Als Morgengabe sieh die Krone an,
Die schon gebietend dir vom Haupte funkelt,
Mir aber gib den Totenring zum Pfand.
Gyges.
Den trägt der König noch an seinem Finger.