Mariamne.
Was befiehlt der König?
Ich bin entboten worden und erschien!
Alexandra.
Ist dies das Weib, das schwur, sich selbst zu töten,
Wenn er nicht wiederkehrte?
Herodes.
Dies dein Gruß?
Mariamne.
Der König ließ mich rufen, ihn zu grüßen?
Ich grüße ihn! Da ist das Werk vollbracht!
Alexandra.
Du irrst dich sehr! Du stehst hier vor Gericht!
Herodes.
Man wollte dich verklagen! Eh' ich noch
Die Klage angehört, ließ ich dich bitten,
Hieherzukommen, aber wahrlich nicht,
Daß du dich gegen sie verteidigtest,
Nur, weil ich glaube, daß sie in sich selbst
Ersticken wird vor deiner Gegenwart!
Mariamne.
Um das zu hindern, sollt' ich wieder gehn!
Herodes.
Wie, Mariamne? Nie gehörtest du
Zu jenen Seelen jammervoller Art,
Die, wie sie eben Antlitz oder Rücken
Des Feindes sehn, verzeihn und wieder grollen,
Weil sie zu schwach für einen echten Haß
Und auch zu klein für volle Großmut sind.
Was hat dich denn im Tiefsten so verwandelt,
Daß du dich ihnen jetzt noch zugesellst?
Du hast doch, als ich schied, ein Lebewohl
Für mich gehabt; dies deucht mir, gab mir Anspruch
Auf dein Willkommen und du weigerst das?
Du stehst so da, als lägen Berg und Tal
Noch zwischen uns, die uns so lange trennten?
Du trittst zurück, wenn ich mich nähern will?
So ist dir meine Wiederkunft verhaßt?
Mariamne.
Wie sollte sie? Sie gibt mir ja das Leben
Zurück!
Herodes.
Das Leben? Welch ein Wort ist dies!