Mariamne.
Ist Antonius denn ein Mensch,
Wie ich bisher geglaubt, ein Mensch, wie du,
Oder ein Dämon, wie du glauben mußt,
Da du verzweifelst, ob in meinem Busen
Noch ein Gefühl von Pflicht, ein Rest von Stolz
Ihm widerstehen würde, wenn er triefend
Von deinem Blut als Freier vor mich träte
Und mich bestürmte, ihm die Zeit zu kürzen,
Die die ägypterin ihm übrigläßt?
Herodes.
Doch wie? Doch wie?
Mariamne.
Er müßte dich ja doch
Getötet haben, eh' er werben könnte,
Und wenn du selbst dich denn—ich hätt' es nie
Gedacht, allein ich seh's!—so nichtig fühlst,
Daß du verzagst, in deines Weibes Herzen
Durch deines Männerwertes Vollgehalt
Ihn aufzuwägen, was berechtigt dich,
Mich so gering zu achten, daß du fürchtest,
Ich wiese selbst den Mörder nicht zurück?
O Doppelschmach!
Herodes (ausbrechend).
Um welchen Preis erfuhrst
Du dies Geheimnis? Wohlfeil war es nicht!
Mir stand ein Kopf zum Pfand!
Mariamne.
O Salome,
Du kanntest deinen Bruder!—Frage den,
Der mir's verriet, was er empfangen hat,
Von mir erwarte keine Antwort mehr! (Wendet sich.)
Herodes.
Ich zeig dir gleich, wie ich ihn fragen will!
Soemus!
Dritte Szene
Soemus tritt ein.
Herodes.
Ist mein Schwäher Joseph draußen?
Soemus.
Er harrt mit Sameas.