Herodes.
Er ist gerichtet durch sich selbst! Er hatte
Den Brief, der ihn zum Tod verdammt, in Händen,
Eh' er sich gegen mich verging, er wußte,
Welch eine Strafe ihn erwartete,
Wenn er es tat; er unterwarf sich ihr
Und tat es doch!

Salome.
Herodes, höre mich!
Weißt du das denn gewiß? Ich habe ihn
Verklagt, ich glaubte es mit Recht zu tun,
Ich hatte Grund dazu—Daß er sie liebte,
War offenbar, er hatte ja für mich
Nicht einen Blick mehr, keinen Händedruck—
Er war bei Tage um sie, wann er konnte,
Und nachts verrieten seine Träume mir,
Wie sehr sie ihn beschäftigte—Das alles
Ist wahr, und mehr—Doch folgt aus diesem allen
Noch nicht, daß sie ihn wieder lieben mußte,
Noch weniger, daß sie—O nein! o nein!
Mich riß die Eifersucht dahin—vergib!
Vergib auch du. (Zu Mariamne.) Ich habe dich gehaßt!
O Gott, die Zeit vergeht! Man sprach—Soll ich
Dich lieben, wie ich dich gehaßt? Dann sei
Nicht länger stumm, sprich, daß er schuldlos ist
Und bitt für ihn um Gnade, wie ich selbst!

Mariamne.
Er ist's!

Herodes.
In ihrem Sinn—in meinem nicht!

Mariamne.
In deinem auch!

Herodes.
Dann müßtest du nichts wissen!
Jetzt kann ihn nichts entschuldigen! Und wenn ich
Den Tod ihm geben lasse, ohne ihn
Vorher zu hören, so geschieht's zwar mit,
Weil ich dir zeigen will, daß ich von dir
Nicht niedrig denke und das rasche Wort,
Das mir im ersten Zorn entfiel, bereue,
Doch mehr noch, weil ich weiß, daß er mir nichts
Zu sagen haben kann!

Fünfte Szene

Soemus.
Das blut'ge Werk
Ist abgetan! Doch ganz Jerusalem
Steht starr und fragt, warum der Mann, den du
Zu deinem Stellvertreter machtest, als du
Von hinnen zogst, bei deiner Wiederkehr
Den Kopf verlieren mußte!

Salome (taumelt).
Wehe mir!
(Mariamne will sie auffangen.)
Fort! Fort!
(Zu Herodes.)
Und die?

Herodes.
Gib dich zufrieden, Schwester!
Dein Gatte hat mich fürchterlich betrogen—