Herodes.
Er hat den Platz, wo ich ihm nützen kann,
Mir anzuweisen!

Mariamne.
Noch einmal! Das
löst
Ja alles wieder!

Herodes (wie vorher).
Wie mein Weib sich freut!
(Zum Boten.)
Sag ihm—du weißt's ja schon!—
(Für sich.)
Die Stirn entrunzelt,
Die Hände, wie zum Dankgebet, gefaltet—
Das ist ihr Herz!

Bote.
Sonst hast du nichts für mich?

Mariamne.
Jetzt werd' ich's sehn, ob's bloß ein Fieber war,
Das Fieber der gereizten Leidenschaft,
Das ihn verwirrte, oder ob sich mir
In klarer Tat sein Innerstes verriet!
Jetzt werd' ich's sehn!

Herodes (zum Boten).
Nichts! Nichts!
(Bote ab.—Herodes zu Mariamne.) Dein Angesicht
Hat sich erheitert! Aber hoffe nicht
Zu viel! Man stirbt nicht stets in einem Krieg,
Aus manchem kehrt' ich schon zurück!

Mariamne (will reden, unterbricht sich aber).
Nein! Nein

Herodes.
Zwar gilt es diesmal einen hitz'gern Kampf,
Wie jemals, alle andern Kämpfe wurden
Um etwas in der Welt geführt, doch dieser
Wird um die Welt geführt, er soll entscheiden,
Wer Herr der Welt ist, ob Antonius,
Der Wüst—und Lüstling, oder ob Octav,
Der sein Verdienst erschöpft, sobald er schwört,
Daß er noch nie im Leben trunken war,
Da wird es Streiche setzen, aber dennoch
Ist's möglich, daß dein Wunsch sich nicht erfüllt,
Und daß der Tod an mir vorübergeht!

Mariamne.
Mein Wunsch! Doch wohl! Mein Wunsch! So ist es gut
Halt an dich, Herz! Verrat dich nicht! Die Probe
Ist keine, wenn er ahnt, was dich bewegt!
Besteht er sie, wie wirst du selbst belohnt,
Wie kannst du ihn belohnen! Laß dich denn
Von ihm verkennen! Prüf ihn! Denk ans Ende
Und an den Kranz, den du ihm reichen darfst,
Wenn er den Dämon überwunden hat!

Herodes.
Ich danke dir! Du hast mir jetzt das Herz
Erleichtert! Mag ich auch an deiner Menschheit
Gefrevelt haben, das erkenn ich klar,
An deiner Liebe frevelte ich nicht!
Drum bettle ich denn auch bei deiner Liebe
Nicht um ein letztes Opfer mehr, doch hoff ich,
Daß du mir eine letzte Pflicht erfüllst.
Ich hoffe das nicht meinetwegen bloß,
Ich hoff es deinetwegen noch viel mehr,
Du wirst nicht wollen, daß ich dich nur noch
Im Nebel sehen soll, du wirst dafür,
Daß ich den Mund des Toten selbst verschloß,
Den deinen öffnen und es mir erklären,
Wie's kam, daß er den Kopf an dich verschenkte,
Du wirst es deiner Menschheit wegen tun,
Du wirst es tun, weil du dich selber ehrst!