Ja, ja, so steht's!
Verrat im eignen Hause, offner Trotz
Im Pharisäerpöbel, um so kecker,
Als ich ihn gar nicht strafen kann, wenn ich
Nicht aus den Narren Märt'rer machen will;
Bei jenen Galiläern etwas Liebe,
Nein, eigennützige Anhänglichkeit,
Weil ich der Popanz bin mit blankem Schwert,
Der aus der Ferne ihr Gesindel schreckt;
Und—dieser Mensch bringt sicher schlechte Botschaft,
Er war zu eilig, mir sie zu verkünden.
Denn der sogar, obgleich mein eigner Knecht,
Tut gern, was mich, verdrießt, wenn er nur weiß,
Daß ich mich stellen muß, als merkt' ich's nicht!
(Zu Joab.)
Wie steht's in Alexandrien?

Joab.
Ich sprach Antonius!

Herodes.
Ein wunderlicher Anfang!
Du sprachst Antonius? Ich bin's gewohnt,
Daß meine Boten vorgelassen werden;
Du bist der erste, der es nötig findet,
Mir zu versichern, daß ihm das gelang.

Joab.
Es ward mir schwer gemacht! Man wies mich ab,
Hartnäckig ab!

Herodes (für sich). So steht er mit Octav
Noch besser, als ich dachte! (Laut.) Das beweist,
Daß du die rechte Stunde nicht gewählt!

Joab.
Ich wählte jede von den vierundzwanzig,
Woraus der Tag besteht; wie man auch trieb,
Ich wich nicht von der Stelle, nicht einmal,
Als die Soldaten mir den Imbiß boten,
Und, da ich ihn verschmähte, spotteten:
Er ißt nur, was die Katze vorgekostet
Und was der Hund zerlegt hat mit dem Maul!
Am Ende glückte mir—

Herodes.
Was einem Klügern
Sogleich geglückt wär'—

Joab.
Bei ihm vorzukommen!
Doch war's schon Nacht, und anfangs mußt' ich glauben,
Er hätt' mich rufen lassen, um den Spaß
Der höhnenden Soldaten fortzusetzen;
Denn, wie ich eintrat, fand ich einen Kreis
Von Trinkern vor, die sich auf Polstern streckten,
Er aber füllte selbst mir einen Becher
Und rief mir zu: Den leere auf mein Wohl!
Und als ich des mich höflich weigerte,
Da sprach er: Wenn ich den da töten wollte,
So brauchte ich ihn nur acht Tage lang
An meinen Tisch zu ziehn und den Tribut,
Den Erd' und Meer mir zollen, draufzustellen,
Er würde müßig sitzen und verhungern
Und noch im Sterben schwören, er sei satt.

Herodes.
Ja, ja, sie kennen uns! Das muß sich ändern!
Was Moses bloß gebot, um vor dem Rückfall
In seinen Kälberdienst dies Volk zu schützen,
Wenn er kein Narr war, das befolgt dies Volk,
Als hätt' es einen Zweck an sich, und gleicht
Dem Kranken, der nach der Genesung noch
Das Mittel, das ihn heilte, fort gebraucht,
Als wären Arzenei und Nahrung eins!
Das soll—Fahr fort!

Joab.
Doch überzeugte ich
Mich bald, daß ich mich irrte, denn er tat
Beim Trinken alle Staatsgeschäfte ab,
Ernannte Magistrate, ordnete
Dem Zeus das Opfer an, vernahm Auguren
Und sprach die Boten, wie sie eben kamen,
Nicht mich allein. Es sah besonders aus.
Ein Sklav' stand hinter ihm, das Ohr gespitzt,
Die Tafel und den Griffel in der Hand,
Und zeichnete mit lächerlichem Ernst
Das auf, was ihm in trunknem Mut entfiel.
Die Tafel liest er dann, wie ich vernahm,
Am nächsten Morgen durch im Katzenjammer
Und hält so treu an ihren Inhalt sich,
Daß er, dies soll er jüngst geschworen haben,
Sich selbst mit eigner Faust erdrosseln würde,
Wenn er die Welt, die ihm gehört, am Abend
Im Rausch verschenkt und sich dabei des Rechts
Auf einen Platz darin begeben hätte.
Ob er dann auch im Zickzack geht, wie nachts,
Wenn er sein Lager sucht, ich weiß es nicht,
Doch däucht mir eins dem andern völlig gleich.