Die auf der mit 1 bezeichneten Linie stehenden Töne sind Sekundärfarben erster Ordnung, d. h. Mischfarben von 2 Primären zu gleichen Theilen.
Die mit 2 bezeichneten sind Sekundärfarben zweiter Ordnung, d. h. Mischfarben aus einer Primär- und einer Sekundärfarbe erster Ordnung, oder aus zwei Theilen der einen und einem Theile der andern Primärfarbe.
Die Sekundärfarben dritter Ordnung (3) sind Mischfarben aus einer Primär- oder Sekundärfarbe erster Ordnung, mit einer Sekundärfarbe zweiter Ordnung.
Im ersten Fall besteht die Mischung aus drei Theilen der einen und einem Theil der andern, — im zweiten Fall aus drei Theilen der einen und zwei Theilen der andern Primärfarbe.
| So besteht z.B. | Gelborangegelb aus | Gelb | 3 | und | Roth | 1 |
| Gelborange | „ | 2 | „ | „ | „ | |
| Orangegelborange | „ | 3 | „ | „ | 2 | |
| Orange | „ | 1 | „ | „ | 1 | |
| Orangerothorange | „ | 2 | „ | „ | 3 | |
| Rothorange | „ | 1 | „ | „ | 2 | |
| Rothorangeroth | „ | 1 | „ | „ | 3 |
Diese Farbenkreise mit räumlich gleichgroßen Feldern, deren von verschiedenen Autoren noch sehr verschiedenartige, mit 36, 48 und mehr Sektoren, mit entsprechenden abweichenden Nomenklaturen aufgestellt worden sind, werden als physikalische bezeichnet. Diesen gegenüber stehen die physiologischen, auf welche die neuere Wissenschaft größeren Werth legt. Sie zeigen von ersteren abweichende Verhältnisse, deren eingehende Erörterung außerhalb des Rahmens dieses Buches liegt.
Die auf diese Farbenkreise sich stützenden Theorien finden nun vorzugsweise ihre Nutzanwendung in größeren chromatischen Compositionen besonders im polychromen Ornament, nicht weniger aber auch im Historienbild wie bei der figürlichen Darstellung überhaupt, sowie im Stillleben. In Landschaft und Architektur tritt sie, von Staffage abgesehen, sehr zurück, allein Kenntniß der einschlagenden Verhältnisse läßt oft erfreulich wirkende Modifikationen der gegebenen Töne zu.
Im Allgemeinen bemerke man, daß jede Farbe durch ihre Complementärfarbe, ihren Contrast, gehoben wird, sowie daß Zusammenstellungen von im Farbenkreise einander zunächst gelegenen Farben unerfreulich wirken und zwar aus dem Grund, weil das Auge in jeder von zwei benachbarten Farben die Complementärfarbe der andern hervorzurufen bestrebt ist. So sieht Roth neben Orange scheinbar blauer aus, neben Rothorange aber nicht allein blauer, sondern auch trüber; Orange neben Gelb röther und trüber etc.
Derartige Verbindungen von Farben werden erst gut, wenn zwischen beiden Farben im zwölftheiligen Farbenkreise wenigstens drei Töne liegen. Ganz unbedeutende Aenderungen der Farbe liefern dagegen sehr brauchbare Töne, wie wir gerade in Landschaft und Architektur zu beobachten beständig in der Lage sind und wird auch bei dekorativen Malereien so gerne von nahe gelegenen Tönen ausgiebiger Gebrauch gemacht. Die Töne sind aber hier nicht als verschiedene Farben, sondern als kleine Nüancen derselben Farbe zu betrachten. Man sehe aber bei Anwendung so kleiner Farbenintervalle darauf, daß der wärmere Ton auch der hellere sei.