Spangrün ist schwer zu behandeln. Es liefert mit Violett, Purpur, Roth und Orange wirksame, aber meist etwas schreiende, mit Gelb und Blau aber schlechte Combinationen, weßhalb es mit Weiß zu trennen ist; durch gleichzeitige Anwendung von Gold wird sein schreiender Ton sehr gemildert.
Meergrün wirkt gut mit Mennig und Zinnober, wenn es gegen diese in der räumlichen Ausdehnung stark überwiegt, da die Wirkung sonst zu grell ist. Ungewöhnliches Feuer zeigen feine Verzierungen in letzteren Tönen auf meergrünem Grunde. Auch die Verbindungen mit Violett, Purpur und Carmoisin sind nicht schlecht und vielfach von den Italienern, besonders von P. Veronese angewendet worden; als bloß binäre Verbindungen sind dieselben aber nicht brauchbar, ebensowenig wie solche mit Blau oder Gelb.
Ueber Blau, Violett, Purpur und Carmoisin bleibt nichts zu sagen übrig, da solche bereits in den abgehandelten Farben Erwähnung gefunden haben.
Im Ganzen wirken Zusammenstellungen von zwei Farben weniger befriedigend als solche mit dreien.
Bei Zusammenstellung von drei Farben wählt man aus dem zwölftheiligen Farbenkreise immer je den 1., 5. und 9. Ton (im vierundzwanzigtheiligen den 1., 9. und 17.). Es kann somit auf jede beliebige Farbe des Farbenkreises eine Triade construirt werden, die häufigste Anwendung finden aber folgende Zusammenstellungen:
Die wirksamste derselben bilden Roth, Blau und Gelb (oder Gold), besonders als Gold, Ultramarin und Zinnober. Wird hier jedoch ersteres durch Gelb ersetzt, so muß man statt des letzteren ein tieferes Roth oder zwei verschiedene Töne wählen. Nicht minder wirksam ist die von P. Veronese mit Vorliebe angewendete Triade: Purpur, Hellblau und Gelb. Bei Anwendung von Gold sind die Töne tiefer zu nehmen. Auch Silbergrau macht sich hierbei oft günstig. Karmin, Gelbgrün und Ultramarin war ebenfalls bei den Italienern der guten Zeit beliebt.
Tiefes Roth (=Carmoisin) gibt mit Grün und Gold eine untadelhafte Combination. Gelb anstatt Gold wirkt hier etwas beleidigend, aber gut bei Lampenlicht.
Auch Orange, Grün (Spangrün) und Purpurviolett ist sehr brauchbar (mittelalterliche textile Arbeiten) und zu jeder dieser Zusammenstellungen können Schwarz, Weiß, Gold und Silber hinzutreten.
Bei Zusammenstellungen von vier Farben wählt man am Besten zwei gute, im Farbenkreise ziemlich dicht bei einander stehende Paare, z. B. Purpur mit Grün oder Zinnober mit Blau und sucht die schädlichen Contraste, durch trennende Contouren oder sonstige geschickte Anordnung aufzuheben. Doppelpaare anderer Art erhält man, wenn man zu zwei Farben eine dritte, Gold oder Silber, Schwarz oder Weiß, so hinzutreten läßt, daß sie im Totaleindruck mit denselben Mischfarben erzeugt, was in maurischen Ornamenten häufig vorkommt.
Im vierundzwanzigtheiligen Farbenkreise haben die Viertöne (1, 7, 13, 19) ein etwas verwickeltes Verhältniß, indem zwei Töne keine Consonanzen mehr bilden und weniger befriedigend als Triaden wirken. Angenehmer, wenn auch etwas unruhig, wirken hier die Sechstöne (1, 5, 9, 13, 17, 21).