Man spanne stets das Papier auf ein Reißbrett auf und zwar so, daß die obere Seite des Papieres die Malfläche bildet. Da in dieser Beziehung häufig Fehler begangen werden und die untere Seite in der Regel defekte Stellen hat, welche erst während des Malens und dann mitunter in sehr störender Weise zu Tage treten, so bemerke ich, daß die obere Seite diejenige ist, auf welcher, gegen das Licht gehalten, der Name des Fabrikanten oder das Wasserzeichen in der richtigen, d. h. zum Lesen tauglichen Stellung erscheint. Man biegt alsdann die Ränder nach oben etwa einen Centimeter breit um, näßt die untere Seite mittelst eines Schwammes tüchtig durch, bringt es dann in die gehörige Lage, bepinselt den umgebogenen Rand mit einer gesättigten Lösung von arabischem Gummi und drückt dann solchen an das Brett an, worauf man es zum Trocknen an einen nicht direkter Ofenhitze ausgesetzten Ort stellt. Nach dem Trocknen wird das Papier um so glatter aufliegen, je mehr es durchnäßt gewesen ist; jedoch hüte man sich, die Oberfläche, bevor das Papier durchaus trocken ist, sei es nun mit einem Tuch, einem Schwamm, oder gar mit Gummi, zu reiben oder darauf zeichnen.

3. Behandlung der Lichter.

Lichter und hellere Gegenstände sind, wo es thunlich ist, am besten auszusparen. Da dies jedoch nicht immer ohne Schädigung der einheitlichen Behandlung des Colorits der Umgebung geschehen kann, so müssen die Lichter in vielen Fällen ganz unbeachtet bleiben, übermalt und später erst, gegen Beendigung der Arbeit hin, hergestellt werden. Die nachträgliche Herstellung von Lichtern läßt sich auf dreierlei Weise erreichen und zwar: 1) durch Ausradiren, 2) durch Auswaschen mit Wasser und 3) durch Aufsetzen mittelst des Chinesischen Weiß.

1. Der Gebrauch des Radirmessers, welches scharf sein muß, empfiehlt sich besonders da, wo viele kleinere und glanzvolle Lichter verlangt werden, wie z. B. auf Baumstämmen mit rauher Rinde, beim Schaume von Wasserfällen oder dem Spritzen von Wellen, bei Vögeln vor dunkeln Wolken, für Grashalme etc. Muß die radirte Stelle, was in der Regel der Fall ist, nachträglich noch mit einem leichten Ton übergangen werden, so reibe man zuvor mit reinem Gummi — nicht mit Radirgummi leicht darüber weg, glätte alsdann mit dem Elfenbeinstiele des Messers oder mit einem Falzbein, worauf das Papier die Farbe so gut annimmt, als sei die Fläche nicht verletzt worden.

2. Eine andere in vielen Fällen noch empfehlenswerthere Manier besteht darin, daß man die Stelle oder den Strich, welchen man von der Farbe befreien will, mit reinem Wasser und nicht zu gefülltem Pinsel übergeht (Stellen, welche ihre Farbe behalten sollen, dürfen nicht berührt werden), ein wenig wartet, bis die Feuchtigkeit beinahe aufgetrocknet ist und dann mit weichem Waschleder, oder Gummi, oder mit fest um den Zeigefinger gewickeltem, zartem Löschpapier scharf darüber wischt. Diese Prozedur erfordert indessen einige Uebung und man thut wohl, sich erst an irgend welchen Farbenklecksen die erforderliche Geschicklichkeit anzueignen. Helle, kleinere Gegenstände der Ferne, Lichter auf Wasserflächen sowie Grashalme etc. im Vordergrunde lassen sich sehr täuschend auf diese Weise wiedergeben.

3. Eine dritte Manier besteht im entsprechenden Auftrage von Chinesischem Weiß, welches mit einem spitzen Pinsel in ziemlicher Consistenz und mit entschiedenem Strich aufgetragen werden muß. Dieses Verfahren ist besonders da zu empfehlen, wo auf dunklerem Grunde farbige Gegenstände aufgemalt werden sollen. Angenommen, im Vordergrund sei ein Flußufer mit üppiger Vegetation und gelben, sich von dem dunklerem Grunde abhebenden Irisblumen darzustellen, so würde das Aussparen der Irisblüthen einerseits sehr zeitraubend sein, andererseits aber der breiten Behandlung der grünen Blätterbüsche entschieden Eintrag thun. In solchem Falle würde man daher besser diese Blüthen erst bei Beendigung des Bildes mit Weiß aufsetzen und dieselben nach dem Trocknen mit Indian Yellow oder Cadmium koloriren, womit eine naturgetreue Wiedergabe erzielt würde. Nicht zu empfehlen wäre aber, wenn man Gelb und Weiß zusammen mischen und die Blüthen in einem Auftrag geben wollte, was eine weit weniger glanzvolle Wirkung zur Folge haben würde. Dasselbe Verfahren empfiehlt sich auch, wo nach Vollendung eines Bildes einige kleine Figürchen als Staffage aufgesetzt werden sollen, deren Aussparen ebenfalls in den meisten Fällen sehr hinderlich sein würde. Hier wird die ganze Figur mit Chinese White dick aufgesetzt und nach dem Trocknen wie jede andere weiße Fläche gemalt, mit dem Unterschiede jedoch, daß hier eine entschiedene Pinselführung nothwendig ist, damit nicht durch zu vieles Stricheln und Uebergehen der weiße Grund ausgearbeitet werde, was dann nichts weniger als erfreulich wirken würde.

Welche von diesen drei Verfahrungsweisen man in einem gegebenen Falle anwende, hängt einerseits von der Natur des Gegenstandes, andererseits aber auch von dem Geschmack und der Geschicklichkeit des Darstellers ab. Es ist jedoch stets im Auge zu behalten, daß man Lichter und hellere Stellen größerer Dimensionen besser ausspart, wo nicht erhebliche Hindernisse im Wege stehen. Würde z. B. das Gemälde einen dunkelgrünlichen See darstellen und im Vordergrunde befänden sich in Abständen einige hohe Bäume, deren Stämme vertikale, helle Streifen über den See bildeten, so würde das Aussparen dieser Stämme die nothwendige, gleichmäßige Behandlung der Wasserfläche fast unmöglich machen. Man würde daher die Stämme unbeachtet lassen, solche mit allen Wassertönen übergehen und erst nach Fertigstellung der Wasserfläche dieselben nach dem unter 2) angegebenen Verfahren herauswischen, dann mit den nothwendigen Tönen übermalen und fertig modelliren. Dasselbe Verfahren wendet man auch an, wo es gilt, zu dunkel aufgetragene Töne aufzuhellen, wobei man in der Regel nur nöthig hat, die betreffende Stelle mehrmals mit reinem Wasser zu übergehen und solches dann mit Löschpapier aufzutrocknen, worauf der Ton nach dem Trocknen heller geworden sein wird. Sollte dies jedoch nicht genügt haben, so wiederhole man diese Procedur und reibe nach dem Auftrocknen mit Löschpapier die Stelle sanft mit etwas Brodkrume, doch nicht von zu frischem Brod.

Im Allgemeinen dürfte das Verfahren des Auswaschens noch am meisten zu empfehlen sein und zwar vorzüglich aus dem Grunde, weil an Lichtern, welche durch das Radirmesser oder mit Weiß hergestellt worden sind, häufig nicht mehr viel zu ändern ist, ohne daß unerwünschte Wirkungen hervorgerufen werden. Immerhin sei der Lernende nicht ängstlich, da man Aengstlichkeit dem Bilde sofort ansieht und ein keckes Licht, selbst wenn es nicht ganz korrekt ausgefallen sein sollte, immer noch besser aussieht, als ein ganz korrektes, welches die Aengstlichkeit, unter welcher es zu Stande gekommen ist, zur Schau trägt. Weiter ist noch zu beherzigen, daß man, welches Verfahren man auch anwende, nie mit dem Einsetzen von Lichtern beginne, bevor das Papier absolut trocken geworden ist, indem das Bild andernfalls erheblich beschädigt würde.

Viele Lichteffekte, und nicht selten gerade die wirkungsvollsten, sind indessen ganz zufällige Resultate, denn sehr häufig laufen die nassen Töne in ganz unerwarteter Weise in einander und liefern Effekte, welche vielleicht die beste Absicht des Malers nicht wohl in der erhaltenen Weise erreicht hätte. Es kommt dies besonders häufig beim Malen nach der Natur vor und zwar in Folge der Schnelligkeit, mit welcher man zu arbeiten alsdann in der Regel gezwungen ist. Aus solchen Zufälligkeiten Vortheil zu ziehen erfordert aber schon einen gewissen Grad von Geschicklichkeit und Uebung wie nicht minder Geschmack und etwas Phantasie.