Uebrigens regte Faucitt selbst im April 1777 von Kassel aus den Plan wieder an, wenigstens 1000 bis 1500 Mann vom Herzog von Würtemberg zu miethen, der nach wie vor von Ehrerbietung gegen den König von England überströmte und es sich als besondere Gnade ausbat, daß seine Truppen einigen Antheil an der Niederwerfung der amerikanischen Rebellion nehmen dürften. Suffolk meinte zwar, diese Dienstwilligkeit ziele mehr darauf hin, eine bedeutende Summe Geldes nach Stuttgart zu ziehen, als Sr. Majestät Streitkräfte bedeutend zu verstärken, allein er bevollmächtigte Faucitt, die Verhandlungen mit Karl Eugen wieder anzuknüpfen und ihm die den Hessen gewährten Bedingungen einzuräumen, wenn er bis zum Frühjahr zwischen 1500 und 4000 Mann erhalten könne. Indessen hatte der englische Minister immer noch Mißtrauen in die Tüchtigkeit der würtembergischen Truppen und brach im Dezember die schwebenden Unterhandlungen ganz ab, als — wie wir später sehen werden — in Folge der vom König von Preußen gegen die deutschen Hülfskontingente ergriffenen Maßregeln ihre Verschiffung den Rhein hinunter vorläufig unmöglich wurde.

Uebrigens verschmähte es Suffolk zu gleicher Zeit nicht, mit hergelaufenen Abenteurern, alten Werbe-Offizieren und prahlenden Landsknechten direkt zu verhandeln, wofern sich ihm nur eine Aussicht bot, ein paar tausend Mann mehr für den Dienst in Amerika zu gewinnen. So ließ er sich u.A. Monate lang in einen ausführlichen Briefwechsel mit einem schwäbischen Baron Eichbegg ein. Dieser Mann bot seine Dienste in London selbst an und fand dort, wo man seinen Aufschneidereien und abenteuerlichen Plänen anfangs ein gläubiges Ohr schenkte, eine äußerst freundliche Aufnahme. „Da ich glaube, — schrieb er in einem barbarischen Französisch am 12. Juni 1777 an Suffolk — daß der Hof von Wien und das ganze Reich neue, für Amerika bestimmte Truppen-Aushebungen in Deutschland mit keinem günstigen Auge ansehen wird, so erlaube ich mir, Mylord, Ihnen einen Vorschlag zu machen, über den kein Mensch Lärm schlagen kann. Mein Geheimniß besteht darin, daß ich eine Rekruten-Niederlage auf der Insel Minorka bilde, dort eine beträchtliche Anzahl Deutscher sammle und von da aus stets die deutschen in Amerika dienenden Regimenter vervollständige. Ein geborner Schwabe, habe ich die beiden letzten Kriege in Deutschland mitgemacht und kenne nicht allein besser als jeder Andere das Land, sondern auch die Mittel und Wege, auf denen man, ohne Skandal zu machen, alle möglichen Rekruten zu zwanzig Pfund pro Stück nach Genua und von da nach Minorka schafft. Ich würde natürlich meinen Wohnsitz in Minorka aufschlagen.“

Suffolk fand diesen Plan denn doch etwas zu weit aussehend; aber der erfinderische Herr von Eichbegg machte ihm bereits am 8. August 1777 einen neuen verbesserten Vorschlag. Er hatte diesmal nichts Geringeres vor, als Slowaken und Kroaten nach Amerika zu schaffen und aus diesem Gesindel zugleich nach beendigtem Kriege eine den Amerikanern furchtbare Niederlassung zu bilden. „Meine alten Waffengefährten — schreibt Eichbegg unter jenem Datum — wollen Niemandem anders dienen, als England; ich erneuere deshalb meine Bitte um Prüfung meines sehr beachtenswerthen Vorschlages. Ich weiß nicht, was für Gründe Sie bestimmen, denselben abzulehnen. Meine Leute sind tapfere Slowaken, die ich im Kriege gegen Türken und Russen kommandirt habe; sie folgen mir, wohin ich gehe, bis an's Ende der Welt; zugleich sind sie gute Matrosen. Es wäre aber wichtig, nicht allein Soldaten und Matrosen nach Amerika zu schaffen, die sich während des dortigen Krieges nützlich machen könnten, sondern zugleich von der höchsten Bedeutung, später aus ihnen eine den Amerikanern furchtbare Kolonie zu bilden. Sie würden in ihnen eine natürliche Garnison gewinnen und die Transportkosten doppelt und dreifach wieder herausschlagen.“

Es schien aber selbst Suffolk vor dieser Bande bange zu werden; er lehnte deshalb den Antrag am 12. September 1777 definitiv ab und beharrte bei seiner Weigerung, als Eichbegg am 6. Januar 1778 sein Anerbieten von Hamburg aus erneuerte. So blieben denn die armen Rebellen vor der Gesellschaft der Halsabschneider, Rattenfallenhändler und Militärgränzer verschont.

Je länger aber der Krieg in Amerika dauerte, desto größer wurden die Verlegenheiten des englischen Ministeriums. Es hatte gar keine Wahl mehr, sondern mußte seine Truppen nehmen, wo sie nur zu finden waren. Der frühere Hochmuth Suffolk's machte deshalb auch seit der Gefangennahme der Hessen bei Trenton und namentlich seit der Uebergabe Burgoyne's bei Saratoga einer ebenso großen Verzagtheit Platz. Die Verwickelungen mit Frankreich und Spanien wurden namentlich seit dem zuletzt genannten, für die englischen Waffen so traurigen Ereignisse immer drohender, und täglich trat ein Krieg mit den bourbonischen Mächten mehr in den Vordergrund. Waren die Amerikaner, als sie noch ohne fremde Hülfe kämpften, nicht niedergeworfen, wie wollte man erst mit ihren europäischen Bundesgenossen fertig werden?

Außer in Deutschland waren aber nirgend Hülfstruppen für England aufzutreiben, und auch in Deutschland wurde die Aufgabe immer schwieriger. Das an Soldaten so reiche Land hatte kaum zwölf Jahre nach dem siebenjährigen Kriege sich wieder einen Abfluß von etwa 20,000 Menschen gefallen lassen müssen; einen größern Aderlaß konnte es kaum noch aushalten. Gleichwohl fiel Suffolk immer wieder auf Deutschland zurück, weil nirgend anderswo anzukommen war. Schon nach Fehlschlagen seines Versuches in Würtemberg hatte er sich wieder an Sir Joseph Yorke, seinen Gesandten im Haag, gewandt, dem er von allen englischen Diplomaten die genaueste Kenntniß der deutschen Verhältnisse zutraute. „Ich habe Sie — schrieb er ihm am 4. März 1777 — bereits am 1. September 1775 nach der Möglichkeit befragt, fremde Truppen für den amerikanischen Dienst zu erlangen. In Ihrer Antwort vom 5. September 1775 wiesen Sie mich auf den Landgrafen von Hessen-Kassel, den Herzog von Würtemberg, den Herzog von Sachsen-Gotha, den Fürsten von Darmstadt und den Markgrafen von Baden als Mächte hin, welche uns unter Umständen und bei richtiger Behandlung eine ansehnliche Truppenzahl zu liefern im Stande sein dürften. Seit jener Briefwechsel zwischen uns stattfand, hat Seine Majestät mit dem Landgrafen von Hessen-Kassel, dem Herzog von Braunschweig, dem Erbprinzen von Hessen-Kassel, dem Fürsten von Waldeck und jüngst mit dem Markgrafen von Anspach Verträge abgeschlossen. Ich glaube kaum, daß wir alle nöthigen Mannschaften von diesen Fürsten erlangen können. Der Herzog von Würtemberg hat Seiner Majestät wiederholt seine Truppen angeboten. Es war auch unsre Absicht, einen Theil davon in Sold zu nehmen; indessen entdeckten wir bald die Unfähigkeit des Herzogs, uns irgend welche zu liefern, so daß wir den Plan zu unsrer großen Enttäuschung haben aufgeben müssen. An die übrigen in Ihrem Briefe genannten Fürsten, den Markgrafen von Baden, den Fürsten von Darmstadt und den Herzog von Sachsen-Gotha haben wir uns weder gewandt, noch sind uns ihrerseits Eröffnungen gemacht worden. Der Zweck dieses vertraulichen Schreibens ist nur der, Ew. Exellenz zu bitten, daß Sie sich darüber vergewissern wollen, welche Streitmacht diese Fürsten im Nothfalle zu stellen im Stande sind. Natürlich dürfen Sie den Verdacht nicht aufkommen lassen, daß wir uns möglichen Falls an sie wenden werden. Der Ausfall der 4000 Mann die wir von Würtemberg zu beziehen hofften, verringert in der That unsere Verstärkungen für den nächsten Feldzug erheblich. Es ist natürlich unmöglich, diesen Ausfall vor dessen Eröffnung wieder auszugleichen allein vielleicht liegt es in unsrer Macht, Sir William Howe zur Wiedereröffnung der Feindseligkeiten nach den heißen Augusttagen eine ansehnliche Truppenzahl zu senden, falls er deren überhaupt noch bedürfen sollte. Beschränken Sie sich in Ihren Nachforschungen ja nicht auf die genannten Fürsten, sondern dehnen Sie dieselben überall hin aus, wo Sie eine Verstärkung erwarten zu können glauben. Es ist von der größten Wichtigkeit, schon im Voraus zu wissen, wo fernere militärische Hülfe zu finden ist, sei es für Amerika oder für irgend einen Punkt in Europa.“

„Ich bedaure unendlich — antwortet Yorke umgehend am 7. März 1777 — daß der Herzog von Würtemberg sein Anerbieten nicht ausführen konnte, und bin doppelt überrascht, da die schweizer Offiziere im holländischen Dienste, welche von hier aus ihre Heimath besuchten, eine ganz andere Sprache führten und mir oft Glück wünschten, daß wir in den Würtembergern die besten deutschen Truppen in unsere Dienste nehmen würden. Ich werde es mir natürlich zur Aufgabe machen, Ew. Lordschaft Befehlen nachzukommen. Der Herzog von Sachsen-Gotha könnte uns, glaube ich, leicht Truppen liefern. Der Landgraf von Darmstadt ist, wie ich seit meinem damaligen Briefe gefunden habe, zu verliebt in seine Soldaten, als daß er sie außer Sicht ließe; vielleicht dürfte er sich aber doch in Versuchung führen lassen.“ Das geschah nun nicht. Das Paradespiel ward dem großen Trommler eine Stütze seiner Tugend.

Aus verschiedenen Ursachen schlugen auch alle späteren Versuche Suffolk's fehl, mehr Truppen zu erlangen. Meistens ergab sich bei näherer Prüfung der Verhältnisse, daß entweder die angebotene Zahl nicht vorhanden war oder daß sonst ein Hinderniß im Wege stand. So schien sich schon im Frühjahr 1777 eine Aussicht auf Gewinnung von zwei Hildburghauser Bataillonen zu bieten. Unterm 9. April 1777 schrieb der englische Gesandte in Wien, Robert M. Keith, an Suffolk, daß der Feldmarschall Prinz von Sachsen-Hildburghausen ihm als Vormund seines Neffen, des regierenden Fürsten, für den nächsten Feldzug zwei Bataillone unter den dem Landgrafen von Hessen bewilligten Bedingungen angeboten habe, und daß die Truppen in sechs Monaten marschfertig sein könnten. Der Marschall hielt sein Gesuch sehr geheim und ließ es nur durch die Hände der englischen Gesandtschaft in Wien gehen. Ob er sich desselben schämte? So viel steht aber fest, daß er sein Anerbieten nicht ausführen konnte, denn Suffolk, der es so gern angenommen hätte, kommt nie wieder darauf zurück. Dagegen wies der englische Minister im Dezember 1780 kurzer Hand das letzte ihm gemachte größere Angebot ab. Gotha und Darmstadt hatten dem englischen Gesandten in Regensburg durch ihren dortigen Residenten, einen Herrn von Gemmingen, erklären lassen, daß sie froh sein würden, wenn der König von England 4000 Mann für den amerikanischen Dienst von ihnen nehmen wollte. Es stellte sich später heraus, daß der Suffolk'sche Agent entweder zu viel gehört oder das Gehörte nicht recht verstanden hatte.

Somit behielt es für die ganze Dauer des amerikanischen Krieges bei den sechs, in den Jahren 1776 und 1777 mit Braunschweig, Kassel, Hanau, Waldeck, Anspach und Zerbst abgeschlossenen Truppenlieferungs-Verträgen sein Bewenden. Die ersten vier sind bereits dargestellt worden; die beiden letzteren werden in den folgenden Kapiteln erzählt werden.