Als nun am ersten Abend des Bockreiters Töchter so reich geschmückt auf dem Feste des jungen Kaufmanns erschienen, da machten viele Fräulein und Demoisellen lange Gesichter, vor Neid darüber, daß sie keine so schönen Kleider hatten. Ihr Neid stieg mit jedem Tage, als des Schneiders Töchter jeden Abend in einem andern neuen Anzuge erschienen. Was aber den Neid der weiblichen Gesellschaft noch höher entflammte, war der Umstand, daß der reiche Kaufmann Niemanden so freundlich aufnahm, als des Schneiders Töchter. Am vierzehnten Abende, am Schluß des Festes, schenkte der Kaufmann der jüngsten Tochter des Schneiders eine schwere Goldkette und einen goldenen mit Edelsteinen besetzten Ring, der auf mehrere Tausend Rubel geschätzt wurde. Mit diesem Liebespfand hatte er sich der Jungfrau verlobt. Vier Wochen später wurde die glänzende Hochzeit ausgerichtet, worauf des Schneiders jüngste Tochter, jetzt die Frau eines reichen Mannes, dessen stattliches Haus bezog.

Bosheit und Neid über das unerwartete Glück der Schneiderstochter machte die Leute in der Stadt fuchswild; aber den größten Verdruß davon hatte ein verarmter Graf, dessen nicht unter die Haube gekommene Schwester gern dem Kaufmann ihre Hand gereicht und ihm statt der Mitgift den Glanz ihrer vornehmen Geburt in's Haus gebracht hätte; es wäre dann auch wohl in den leeren Beutel des Bruders manches Goldstück aus dem Vermögen des reichen Schwagers gefallen. Die Heirath des Kaufmanns hatte beider Hoffnung zunichte gemacht, was ihm der Graf nicht verzeihen konnte; er sann also im Stillen darüber nach, wie er die Verschmähung seiner Schwester an des Schneiders Eidam rächen könnte. Der Kaufmann pflegte des Abends ein Wirthshaus zu besuchen, um sich mit seinen Bekannten die Zeit zu vertreiben; hier traf er auch manchmal mit dem Grafen zusammen. Eines Abends setzte dieser dem Kaufmann einen Floh in's Ohr, indem er folgendermaßen zu reden anhub: »Ihr habt ein gar hübsches junges Weib zu Hause, ich wundere mich, wie ihr euch getraut, Abends von Hause zu gehen und die junge Frau allein zu lassen. Glaubt ihr denn an Weibestreue? Es ist sicherlich noch nirgends in der Welt vorgekommen, daß ein hübsches Weib ihrem Manne treu geblieben wäre.« Der Kaufmann erwiderte: »Ihr verläumdet meine Frau aus Neid; aber wie könntet ihr eure Rede wahr machen, wenn ich euch nach Beweisen fragen würde?« — Der Graf machte sich sogleich anheischig, seine Worte wahr zu machen, wenn ihm der Kaufmann erlauben würde, die junge Dame öfter zu besuchen. Der Kaufmann erzürnte ob des Grafen unverschämten Rede mehr, als er sich merken ließ; gleichwohl war sein Sinn zweifelhaft geworden und er machte endlich mit dem Grafen eine Wette, kraft welcher sein großes Vermögen dem Grafen zufallen sollte, wenn dieser die schmachvolle Bezüchtigung wahr machen könnte. Die Frau durfte natürlich von der Wette nichts erfahren. Nachdem die Uebereinkunft vor Zeugen geschlossen war, sollte der Graf nun sein Glück versuchen.

Als der Kaufmann Abends nach Hause kam, sagte er seiner jungen Frau, er müsse auf längere Zeit in Geschäften verreisen und könne wohl erst nach einigen Wochen von der langen Reise zurück sein. Alle Geschäfte des Hauses wolle er bis dahin dem Herrn Grafen anvertrauen, der deshalb noch heute einziehen werde. Die Frau äußerte, mitreisen zu dürfen, als ihr aber der Mann dies abschlug, sagte sie: »Thut was ihr wollt, ich muß mit Allem zufrieden sein.« Als der Kaufmann am andern Morgen noch manches, auf die Wette Bezügliche insgeheim mit dem Grafen besprochen hatte, machte er sich auf den Weg, von den Thränen der jungen Frau begleitet.

Die große Reise ging freilich diesmal nicht weit; der Kaufmann hatte sich in der Vorstadt eine Wohnung gemiethet, wo er still wie eine Maus lebte, aber immer die Ohren gespitzt hielt, den Nachrichten über die junge Frau zu lauschen. Das keusche Weib hatte sich nach dem Scheiden des Mannes in ihre Kammer zurückgezogen, fest entschlossen, so lange der Mann von Hause fern sein würde, nirgends hin zu Gaste zu gehen, noch irgend Jemand als Gast aufzunehmen, mit Ausnahme ihrer eigenen Schwestern. Dadurch hoffte sie alles leere Geschwätz der Leute abzuschneiden. Armes Geschöpf, das die Fallstricke nicht ahnte, welche man ihr legte! Ihre Nahrung ließ sie sich täglich durch die Magd in ihre Kammer bringen, und wenn sie Sonntags in die Kirche ging, mußte das Mädchen sie jedesmal begleiten. — Nach einem Vierteljahre lief von dem Manne ein Brief ein, des Inhalts, daß das Geschäft sich weit mehr in die Länge ziehe, als er vorausgesetzt habe, weshalb es ihm durchaus nicht möglich sei, den Zeitpunkt seiner Rückkehr anzugeben. Diesen Brief übergab der Graf der Frau nicht, sondern setzte einen andern falschen Brief auf, worin der Kaufmann das lustige herrliche Leben in der Fremde rühmte und zuletzt der Frau rieth, sich mit dem Herrn Grafen die Zeit zu vertreiben, damit ihr das Warten nicht langweilig werde. Die Frau schrieb der Wahrheit gemäß zurück: »Ich lebe allein in meiner stillen Kammer, und mich verlangt auch nicht nach einem Gesellschafter, der mir die Zeit vertreibe, sondern ich bitte nur alle Tage Gott, daß er euch glücklich heimkehren lasse, meine Sehnsucht zu stillen.« Auch diese Antwort kam dem Kaufmann nie zu Gesicht; der Graf schrieb wieder einen Lügenbrief, als von der Frau herrührend, worin sie sich rühmte, daß sie alle Tage entweder in die Stadt zu Gaste gehe, oder zu Hause Gäste empfange, oder auch in des Herrn Grafen Gesellschaft die Zeit verbringe, so daß sie niemals Sehnsucht nach ihrem Manne empfunden habe. Diesen ruchlosen Betrug verübte der Graf jedesmal, wenn Mann und Frau sich einander schrieben, denn er verstand anderer Leute Handschrift so künstlich nachzumachen, daß die Eheleute nicht dahinter kamen. Als endlich der Kaufmann schrieb, er hoffe binnen einigen Wochen wieder nach Hause zu kommen, da unterschlug der Herr Graf diesen Brief und ließ das falsche Gerücht aussprengen, daß der Kaufmann in der Fremde sein Ende gefunden habe. Die arme sich für eine Wittwe haltende Frau weinte und jammerte bitterlich; ließ die Wände des Gemachs mit schwarzem Zeuge beschlagen, legte Trauerkleider an und ließ nicht einmal ihre Schwestern zum Besuch kommen; zur Kirche aber ging sie jeden Sonntag nach wie vor.

Alle List und Betrügerei, die der Graf bis jetzt angewandt, war vergeblich gewesen, es war ihm nicht möglich geworden, mit des Kaufmanns Frau zusammen zu kommen oder eine nähere Verbindung anzuknüpfen; ebenso wenig hatte er ein Beweisstück, auf welches er die Frau hätte bezichtigen können. Da entschloß er sich, es noch einmal mit List zu versuchen. Er ließ eines Tages die Frau durch ihr Mädchen bitten, sie möchte eine Kleiderkiste über Nacht in ihrer Kammer verwahren, bis er sie am nächsten Morgen wieder wegbringen lasse, denn es sei sonst nirgends im Hause Raum für eine Kiste. Die Frau, welche sich keiner Arglist versah, willigte ein. Der Graf war aber selber heimlich in die Kiste geschlüpft und auf diese Weise in die Kammer der Frau gelangt. Beim Schlafengehen hatte die Frau eine goldene Kette vom Halse genommen und auf den Tisch vor dem Bette gelegt; es war die Kette, die der Mann ihr bei der Verlobung geschenkt hatte, deshalb trug sie dieselbe Kette täglich am Halse. Als sie in der Nacht ruhig schlief, kroch der Graf ganz sachte aus der Kiste, raffte die goldene Kette vom Tische, steckte sie in die Tasche und eilte sich wieder in die Kiste zu verstecken, mit welcher er dann später fortgetragen wurde. — Die gestohlene Kette sollte dem Kaufmanne bezeugen, daß seine Frau die Ehe gebrochen und die Kette als Liebespfand geschenkt habe. Als die Frau am Morgen aufstand, hatte sie in ihrem Herzenskummer der goldenen Kette nicht weiter Acht gehabt, wiewohl sie sonst immer des geliebten Mannes Geschenk umzulegen pflegte.

Als sie am Nachmittag zufällig zum Fenster hinaus auf die Straße sieht, sieht sie den für todt gehaltenen Gatten zurückkommen. Augenblicklich reißt sie die schwarzen Trauerbehänge von den Wänden, läuft in Freudenthränen ausbrechend ihrem Eheherrn entgegen und fällt ihm um den Hals. Der Kaufmann, fremd und kalt wie Eis, giebt keine frohe Regung zu erkennen, da er die Freude der Frau für ein trügerisches Blendwerk hält; der Herr Graf hatte ihm einen Floh in's Ohr gesetzt, der ihm keine Ruhe mehr ließ. Die Frau wollte sogleich in die Küche eilen, um für den von der Reise kommenden Gemahl Speise zu bereiten, allein dieser wehrte es ihr, da er selber für das Abendessen sorgen wolle.

Als die Zeit dazu herangekommen war, wurde eine hölzerne Schüssel mit einem Mehlbrei aufgetragen, in welchem zwei hölzerne Löffel staken. Die Frau machte große Augen und wußte nicht, was sie davon halten solle. Der Kaufmann aber sagte mit bekümmertem Ernste: »Heut' Abend wollen wir uns aus der Breischüssel zum letzten Male satt essen, denn das ist Alles, was mir von meinem großen Vermögen geblieben ist. Morgen sind wir Bettler, die nicht das Stück Brot haben.« Weinend bat die Frau, ihr zu sagen, durch welches unvermuthete Unglück sie mit einem Male arm geworden wären. »Dieses Unglück hast du selbst verursacht,« — erwiderte der Mann — »deine Versündigung gegen die eheliche Treue hat uns so weit gebracht, daß wir zum Bettelstabe greifen müssen. Wo ist deine goldene Kette, die ich dir als Verlobungspfand schenkte?« Erst jetzt bemerkte die Frau, daß die Kette sich nicht an ihrem Halse befand; sie sprang erschreckt vom Tische auf und lief in ihre Kammer, die vergessene Kette zu holen, fand sie aber dort nicht. Sie wollte jetzt die Kette suchen, aber der Kaufmann hinderte es und sagte: »Laß nur die leeren Grimassen, womit du mich zu täuschen suchst! Ich weiß, daß du selbst die Kette verschenkt hast, die jetzt dein Galan besitzt.« Was konnte da der Frau ihr Leugnen helfen und ihre Vertheidigung? Der ruchlose Graf fand mit seiner goldenen Kette überall mehr Glauben, denn die Menschen glauben viel leichter das Böse als das Gute; konnte er doch auch vor Gericht seine Worte durch dieses Beweisstück erhärten und obendrein beschwören, daß er eine Nacht in der Kammer der Frau zugebracht habe. — Ohne also auf die Vertheidigung der Frau weiter Rücksicht zu nehmen, fällte das Gericht schließlich den Spruch: die ehebrecherische Frau solle auf einem Schiffe in die hohe See hinaus gefahren und dort vom Schiffe in's Meer geworfen werden den Fischen zur Speise. Der Kaufmann aber solle zur Strafe für seine leichtsinnige Wette und Andern zur Abschreckung auf Lebenszeit in's Gefängniß gesetzt werden. Ueber den leichtsinnigen Mann hatte das Gericht ein angemessenes Urtheil gesprochen, allein der schuldlosen Frau fügte das weltliche Gesetz schweres Unrecht zu. Dem Grafen wurde das Vermögen des reichen Kaufherrn zuerkannt. Dieser Unglückliche erbat für seine Gattin noch die einzige Gnade, daß sie vor der Ertränkung in ein getheertes Gewand eingenäht würde, und daß ihr zwanzig in den Gürtel eingenähte Golddukaten mitgegeben würden, damit die Leute bei dem an's Land geworfenen Leichnam das Geld fänden und ihm dafür ein Grab bereiteten. Das Gericht gewährte diese Bitte.

So wurde der einst reiche Kaufherr in Ketten in's Gefängniß gebracht, während seine unschuldige Gattin auf einem Schiffe viele Meilen weit in die See geführt und dann über Bord geworfen wurde. Das aus getheertem Zeuge gemachte Obergewand blähte sich hoch auf wie eine Blase und hielt die unglückliche Frau über Wasser. Die unbarmherzigen Schiffsleute riefen lachend: »Mit der Zeit wird das Wasser schon seine Beute schlucken!« kehrten um und dachten nicht weiter an das arme Geschöpf, das wie eine wilde Gans auf den Wellen dahin schwamm.

Gottes Wege waren nicht die der irrenden Menschen. Seine Huld ließ nicht zu, daß ein schuldloses Wesen in der Tiefe des Meeres versinke, sondern wies auf wunderbare Weise den Weg der Rettung. Die Meereswellen mußten die in ein getheertes Gewand eingenähte Frau drei Tage und drei Nächte auf dem Rücken tragen und endlich in einem fernen fremden Lande an's Ufer schleudern. — Obgleich die Frau sehr ermüdet war, als sie auf's Trockene kam, vergaß sie doch nicht, Gott, der sie aus Todesnöthen errettet hatte, für seine wunderbare Hülfe zu danken. Dann warf sie sich auf den Rasen, um zu schlafen, sich von der durch das lange Treiben auf dem Wasser verursachten Erschöpfung zu erholen und ihre Lebenskraft für die kommenden Tage neu zu stärken. Noch hatte sie die Augenlider nicht geschlossen, als sie zwei Raben auf hohem Fichtenwipfel so reden hörte: »Da liegt jetzt« — sagte der erste Vogel — »ein unglückliches Geschöpfchen am Strande, welches die kurzsichtigen Menschen ausgestoßen haben. Die Arme wird hier, wo keine Menschen wohnen, doch zuletzt umkommen, obwohl sie sich gar leicht retten könnte.« — »Wie denn?« fragte der andere Vogel. »Siehe,« erwiderte der erste Plauderer — »obgleich die Arme sehr ermüdet scheint, sollte sie doch ihre letzte Kraft zusammen nehmen und rechts am Ufer weiter gehen, da wohnt ein frommer Dorfgeistlicher, der sie freundlich aufnehmen und ihren ermatteten Körper stärken würde. Hat sie sich dann einige Tage ausgeruht und ihre Kräfte erfrischt, dann könnte sie in die große Stadt gehen, die nicht weit von da liegt und wo die Leute Mangel an Wasser leiden, weil ein böser Zauberer vor vielen hundert Jahren alle unterirdischen Wasseradern festgemacht hat, so daß in die Brunnen kein Wasser kommt, als was die Regenschauer dem Schooße der Wolken entlocken. Und doch wäre es eine Kleinigkeit, den Bewohnern der Stadt Trinkwasser zu schaffen.« »Wie denn das?« fragte der andere Rabe. »Sieh nur,« erwiderte der erste — »mitten auf dem Markte liegt ein großer grauer Granitblock, welcher alle Quelladern deckt und schließt. Es bedürfte weiter keiner Arbeit, als diesen Verschluß-Block heben zu lassen, dann würden die Quellen aus der Tiefe reichliches Naß ergießen. Und derjenige könnte reichen Lohn verdienen, welcher der Stadt Wasser verschaffte. — Aber diese arme Frau könnte noch mehr Ehre und Glück finden, wenn sie in die Königsstadt ginge und dort des Königs einzigen Sohn gesund machte, den bis jetzt weder Doctoren noch Wundärzte heilen konnten. So liegt der arme Jüngling schon sieben Jahre im Bette und findet nirgends Hülfe, weil menschlicher Verstand seine Krankheit nicht erkennen kann. Und doch könnte der Königssohn leicht gesunden, wenn ihm die rechte Arznei gegeben würde.« »Was für Kräuter könnten denn seinem Uebel abhelfen?« fragte der andere Vogel. »Es wäre eine Kleinigkeit, ihn gesund zu machen« — ließ sich der Sprecher weiter vernehmen. — »Es wäre dazu nichts weiter erforderlich, als in der Domkirche an die dritte Bank, rechts vom Altare, zu gehen und dort die Diele aufzubrechen, unter welcher ein Mäusenest liegt. Wenn das Nest sammt den Jungen herausgenommen, in einem Grapen oder Kessel gekocht, und die Flüssigkeit dann durch ein Tuch geseiht und in Flaschen gegossen würde, so wäre die Arznei fertig[20]. Jeden Morgen und Abend ein Löffel voll von dem Mäusekraft-Trank dem Kranken eingegeben und mit derselben Flüssigkeit die Brust eingerieben, würde den Kranken in einigen Tagen gesund machen.« — Wohl sehr schade ist es, daß in unseren Tagen weder Stadt- noch Land-Aerzte die Vogelsprache verstehen, welche sie manches Mal auf den richtigen Weg bringen könnte, wenn ihr eigener Kopf ihnen nicht mehr aushelfen will. Und auch manchem eingebildeten Naseweis, der menschliche Belehrung verschmäht, könnten durch die Rede der Vögel vernünftigere Gedanken in sein einfältiges Gehirn kommen. — Doch fahren wir jetzt in unserer Erzählung fort.

Nachdem die unglückliche Frau die Raben-Weisheit vernommen hatte, schlief sie ein. Auf wunderbare Weise ließ Gottes Güte ihrem Körper im Schlaf neue Kraft zuströmen; obwohl sie drei Tage ohne einen Bissen Nahrung gewesen war, fühlte sie doch beim Erwachen weder Müdigkeit noch Hunger. Der klugen Vögel Zwiegespräch fiel ihr alsbald ein; doch konnte sie sich nicht klar machen, ob sie das wachend oder träumen erlebt habe. Da ihr aber nichts Besseres übrig blieb, wollte sie es mit dem angegebenen Wege versuchen. Mit größter Mühe erreichte sie vor Abend des Predigers Haus, wo die guten Menschen sie freundlich aufnahmen und pflegten. Nach einigen Tagen fühlte sie sich stark genug, weiter zu wandern. Der Prediger und die Hausleute baten sie, noch einige Tage bei ihnen zu Gaste zu bleiben, denn sie war ihnen allen lieb geworden; aber sie wollte ihnen nicht länger zur Last fallen, sondern dankte für die genossene Wohlthat, nahm Abschied und macht sich dann auf den Weg, um der Anleitung der Vögel gemäß ihr Glück weiter zu versuchen. Da die Wegweisung der Raben sich das erste Mal bewährt hatte, so richtete sie ihre Schritte nach der wasserbedürftigen Stadt. Da fiel es ihr ein, daß, wenn sie in Weiberkleidern die Stadt beträte, die Leute wohl nicht viel von ihrer Einsicht halten würden. In der guten alten Zeit duldete man noch nicht das Gegacker der Henne, wie in unseren Tagen, wo der Hahn wohl selber rühmt, wie hübsch sein Schätzchen schon gesungen, als es erst drei Spannen hoch war, weshalb er das sangreiche junge Huhn selbst auf den Markt trägt und ruft: »Kommt und hört, wie hübsch mein Hühnchen singt.«