Er zog die Ruder ein, ließ sich treiben und redete mit den Nixen des Genfer Sees.

„Nixen der Flut und der Forste, ich bitte, bleibt mir auch ferner
Freundlich gesinnt, wie so oft in der Heimat, im Thüringer Walde!
Ja, verdoppelt die Gabe! Denn zwiefach will ich nun werden,
Und es fürchtet mein Weib ein wenig die Rache der Nixen,
Die ich immer so herzlich geliebt wie die Wunder des Waldes.
Doch ich erzähle der Bangen, wie gut ihr seid und wie hilfreich,
Und bald wird sie euch lieben und wird sich freuen, zu schauen
So viel schöne Gesichtchen, so schöne Gewänder und so viel
Köstlich melodischen Lebensgesang, der nachts um das Haus weht
Und des Schläfers Gedanken und Sorgen verwandelt in Wohllaut.
Singt auch der Meinen! Singt meiner Gattin! Und was sie an Kummer
Oder an Krankheit geschaut und gepflegt — verwandelt es, Geister,
Singend in Töne der Freude! Und habt sie lieb, wie ihr mich liebt!”

Dann ruderte er hafenwärts, erstand die schönsten Blumen und schritt in das Hotel zurück.

Oben warf er sich in seinen dunkelgrauen Gehrock und schrieb auf seine Visitenkarte, die er mit den Blumen hinüberschickte, er bitte um die Ehre, den Damen von Stein seine Aufwartung zu machen. Nach Leroux und Wallace hatte er sich vorerst gar nicht erkundigt.

Vor den Zimmern der Damen im Korridor auf und ab gehend, wartete er pochenden Herzens auf Antwort. Es war ihm völlig ungewiß, wie man ihn aufnehmen, ja ob man ihn überhaupt empfangen würde. Als er noch wartend stand und sich bereits mit der Einbildung abzufinden suchte, daß man seinen Besuch überhaupt nicht annehmen würde, kam von unten ein Kellner und brachte ihm einen eben angekommenen Brief. Er erkannte Trotzendorffs feste Handschrift. Doch hatte er eben nur Zeit, den Brief einzustecken. Denn die Tür tat sich auf — und raschen Schrittes trat Elisabeth heraus.

„Ingo!”

Sie ließ die Visitenkarte fallen und stürzte mit ausgestreckten Händen auf ihn zu, über und über erglühend und in diesem Augenblick wahrhaft schön. Er ergriff ihre beiden Hände mit den seinen, und so standen sie sich einen Augenblick gegenüber und schauten sich mit bebenden Herzen an. Es war einer der schönsten Augenblicke seines ganzen Lebens. Alles, was ihn gequält hatte, fiel von ihm ab, als sie sich hier Auge in Auge gegenüberstanden. Der Gralsucher hatte die überwältigend beseligende Empfindung: Ich bin am Ziel!

Aber sie befanden sich auf offenem Korridor, fremden Blicken ausgesetzt, und so beherrschten sie sich rasch.

„Aber wie kommst du denn hierher?” rief Elisabeth.

„Dich und deine Mutter zu begrüßen; das ist doch ganz einfach!”