„Harmlos! Sieh selber nach!”
„Darf ich wirklich? Kein Geheimnis?”
„Vor dir hab' ich kein Geheimnis.”
„Wirklich nicht, Elisabeth?”
Er hatte das Briefchen in der Hand, das sie ihm ungeöffnet gereicht hatte; und als sie so, den Blumenstrauß aus dem Papier wickelnd, vor ihm stand und ihn mit ganzer Treue und Klarheit ansah, konnte er nicht anders: er legte den Arm um ihre Schulter, und sie sahen sich ganz nahe einige Sekunden innig in die Augen. Ein Glücksstrom überrieselte ihn abermals: ich bin am Ziel!
Dann tat sie die Blumen ins Wasser und trug die Vase auf die Brüstung des Balkons, wo bereits der Kaffeetisch wartete. Er aber öffnete das Kuvert, das Lerouxs Visitenkarte enthielt — und las folgendes:
„Ich bin rasend vor Eifersucht. Gestern im Nachen war ich zwar toll vor Liebe, doch auch Sie waren nicht gleichgültig. Auch Sie lieben mich, sagen Sie mir deutlich, daß Sie mich lieben! Tragen Sie eine meiner Rosen als Antwort! Ich bete Sie an.”
Ingo stand und starrte diese leidenschaftlichen Worte an. Dann fluteten und brausten plötzlich wieder die Angstzustände der Nacht über ihn herein. Also doch! Seine Elisabeth — dort im Kahn — also doch!
Auch Leroux wähnte sich offenbar „am Ziel”! Denn sonst hätte er diese Sprache nicht gewagt!
Er sagte keine Silbe.