Stein lachte und rief mit Schärfe zurück:

„Sagen Sie das, Edler! Und fügen Sie hinzu: Damals war das weimarische Hoftheater modern — heute das Kino!”

Er warf sich wieder in seinen Sessel und machte eine segnende Handbewegung gegen den Ritter des Geistes, der den linken Daumen unter die linke Achselhöhle eingeklemmt, die rechte Hand gespreizt hatte und mit der Zigarette im Mundwinkel wiederholte: „Na, warum nicht?”

Da war nichts zu widerlegen.

Jetzt tauschte Schaller seinen Platz mit Mr. Wallace und ließ sich neben dem thüringischen Freiherrn nieder.

„Herr Baron, nichts für ungut, aber Sie philosophieren zu viel! Sie müssen mich in Barcelona besuchen! In allem Ernst! Ich habe Ihnen nachher auch etwas Amüsantes zu erzählen. Unter uns: ein Restchen deutsches Gemüt in mir beneidet Sie. Verstehen Sie? Nein? So will ich's Ihnen erklären. Gestern warfen Sie gesprächsweise die Bemerkung hin: als Sie die Wahl hatten zwischen Staatskarriere und geistiger Vertiefung, haben Sie unbedingt das letztere vorgezogen. Universalbildung im Sinne Wilhelm von Humboldts — sagten Sie; moderne Fortsetzung des klassischen Idealismus — sagten Sie. Sie sehen, ich hab' mir's gemerkt, bin also gar kein so feister Materialist, wie es allerdings aussieht. Und darum sag' ich: ein Rest in mir beneidet Sie um dieser freien Wahl willen, die Sie getroffen haben. Hol's der Teufel! Etwas wie Sentimentalität sitzt immer in uns Deutschen.”

„Das Deutschland von heute hat sich für Ihren Weg entschieden, mein lieber Herr Schaller”, erwiderte Ingo gelassen. „Erst die Million — dann die Seele! Beneiden Sie mich vielleicht um das Martyrium der Heimatlosigkeit?”

„Ach was, Unsinn! Sie sind jung, nicht älter als ich! Schaffen Sie sich eine Heimat, bauen Sie sich ein Schloß! In der Calle Muntaner zu Barcelona steht meine Burg; kommen Sie einmal hin, sehen Sie sich an, was deutsche Energie im Ausland fertigbringt! Bis dahin hab' ich ein hübsches junges Weib im Hause. Schaffen auch Sie sich eine Frau an, Herr Baron, das bewahrt vor philosophischen Hühnerleitern! Und kommen Sie! Ich bin manchmal hungrig nach Geist — ausgehungert! Und à propos, wissen Sie, was ich Ihnen jetzt Amüsantes zu verzapfen habe, Sennor? Wissen Sie, daß Sie entdeckt sind?”

„Wieso entdeckt?”

„Als ein Troubadour namens Ingo, der meinen zwei jungen Nichten den Hof macht!”