Leicht rauschte die Rhone vor alter Zeit,
Schwer stand der Papst auf den Schanzen —
Und sah auf der Brücke von Avignon
Ein leichtes Völkchen tanzen.
Sur le pont
d'Avignon
Tout le monde danse.

Da blähte sich sein Purpurkleid,
Gewaltig schnauften die Nüstern:
Der schwere Mann des Kampfes ward
Nach leichten Tänzen lüstern.

Der Papst stand, ein Gebild aus Stein.
So standhaft, stark und massig —
Die Tänzer der Brücke von Avignon
Tanzten geschmeidig und rassig.

„Wir türmen Granit,” so sprach der Papst,
„Wir stülpen Zinnen darüber:
Das Volk auf der Brücke von Avignon
Tanzt an der Wucht vorüber.”

„Wir türmen Satzung und Gesetz
Zu burghaft-steinernem Ganzen —
Was tut das Volk? Ich sehe das Volk
Am Stein vorübertanzen!”

Ein Schelm sang, eine Laute klang,
Das sprang um den Lauscher der Zinne:
„Da oben steht der Herr von Stein,
Inzwischen tanzt im Abendschein
Vorüber die lustige Minne!”
Sur le pont
d'Avignon
Tout le monde danse!

In Frau von Trotzendorff arbeitete sich ein Entschluß langsam zutage. Sie schwieg zu diesen Versen; warf ein beifälliges „Hübsch!” hin, kaum hörbar, und hüllte sich in Schweigen. Sie war seit der Abreise von der Mittelmeerküste sehr heiter und zärtlich gewesen. Heute war sie schon den ganzen Tag schweigsam.

Plötzlich blieb sie stehen, schaute den Freund aus ihrem hochgestülpten Kragen heraus eindringlich an und sagte: