Die Best-Geheilten sind jene, die mit reinerem Herzen diese Stätte verlassen ...

Schwer freilich, an Wunderheilung zu glauben! Schwer — — weil so einfach? ...

Doch ich will nicht von den wirklichen oder angeblichen Heilungen sprechen, die hier geschehen mögen. Was etwa sich ereignen mag an Wahn oder gar an frommem Betrug, wenn im Hochsommer der stille Ort fast erstickt unter den Zehntausenden von Pilgern, das ist eine Sache für sich. Darüber mögen andre streiten. Mich fesselt dieses kleine Menschenkind ...

In einer schimmernden Wolke pflegte ihr die Gestalt zu erscheinen, die von sonst niemandem erblickt wurde; es war also ein Lichteindruck; und eine schimmernde Wolke blieb noch ein Weilchen zurück, wenn die Gestalt entschwunden war. Sie kam aus dem Licht, sie war Licht. Es mag wohl eine elektromagnetische Verbindung zwischen Seherin und Erscheinung bestanden haben. Reines Herz nebst reinem magnetischen Organismus — das hat wohl in diesem besonders veranlagten Kinde anziehend auf die jenseitige Welt gewirkt. Alles Schöne ist dem Licht verwandt und wird am schönsten symbolisiert durch das Licht. Gemeine Sterbliche würden geblendet werden durch des Lichtes Fülle.

Marias Lieblingsblume, neben der Rose der Liebe, ist die Lilie der Reinheit und des Glaubens. Die Lilie wächst hoch und weiß über das gewöhnliche Blumenmaß hinaus. Die Form ihrer Blüte ist ein Kelch, ein weißer Kelch: geschaffen, um Licht und Tau einzunehmen, die himmlischen Gaben. Ein Gralskelch! Die jungfräuliche Blume hält den Kelch empor und füllt sich mit Licht von oben.

Gibt es doch noch etwas Höheres als die willensstarke Persönlichkeit? Vielleicht — Gefäß zu sein? Rein, still, empfangend von oben, weitergebend nach unten? Wie die Lilie?

Ist das lilienhaft Jungfräuliche in solchem Sinne höher und himmlischer als das Nur-Männliche? Erlöst uns Männer immer wieder die Jungfrau? ...

Und wie schwer war Bernadettes äußeres Leben! Sehr arm, sehr einfach, doch gut erzogen, etwas zart als Kind, erlebte sie dann die Fülle ihres Glückes binnen wenigen Monaten in jenen genialen Visionen. Dann aber, als ihr Werk gesichert war und eingeweiht wurde, lag sie krank und konnte an den Festen nicht teilnehmen. Als Klosterschwester starb sie fern in Nevers, hat ihr mächtig anwachsendes Werk nie mehr gesehen. Muß wohl sterben, wer die Götter geschaut hat?

Ihr Werk lebte, sie selber ging dahin.

Groß! ...