„Bis jetzt, ja. Ihre Mutter kränkelt. Nun ist sie zu Hause und wechselt in der Krankenpflege zwischen ihrer Mutter und meinem Bruder.”
„Es wundert mich, daß dein Bruder sie nicht genommen hat. Zwei Nachbarsgüter — das hätte sich nicht übel gemacht! Ruhige Naturen beide.”
„Eben darum vielleicht. Das Gesetz der Ergänzung, verstehst du!”
„Na, dein Bruder hat ein rauhes Fell, die sanfte Elisabeth hätt' ihm gut getan! Übrigens — du standest ihr doch wohl auch einmal ziemlich nahe?”
„Sehr sogar.”
„Ihr seid doch verrückte Kerls, ihr zwei Waldecker!” lachte Richard. „Junggesellen alle zwei! Der eine tost auf der Jagd oder auf landwirtschaftlichen Ausstellungen herum, der andre durchläuft die halbe Welt. Elisabeth hätte ganz gut zu einem von euch beiden gepaßt. Die entfernte Verwandtschaft ist doch kein Hinderungsgrund? In Thüringen vettert sich ja alles!”
Er lachte, er war selber Thüringer. Und als das Gespräch nun auf die Wunder von Lourdes kam, betonte der breitschultrige, wuchtige Mann so scharf und nüchtern seinen protestantischen Standpunkt, daß Ingos Romantik sich rasch in blauen Duft verflüchtigte:
„Unser Reformationsgesang ‚Ein' feste Burg ist unser Gott’ hat mehr Mark als diese ganzen süßlichen Litaneien.”
Beim Frühstück wurde das Programm des Tages mit Vorsicht besprochen und festgesetzt; denn man mußte bei Frau Friedel darauf gefaßt sein, daß sie sich in ihrer gefühlsmäßigen Art auf irgend einen Entschluß versteifte. Doch heute war sie nachgiebig und ließ die Männer entscheiden.
Major und Fabrikant zogen ab.