I n stiller Größe walten über den wechselnden Schicksalen der Menschheit die Genien der Güte und die Meister der Innerlichkeit.

Nicht ist es ihre Sache, sich um den Haushalt des Alltags oder das Getriebe der Gattung zu kümmern; das besorgen andre Geister und Dämonen, ruhelos den Erdball umdrängend.

Aber die Meister warten. Die Meister warten auf einzelne erwachende Seelen. Und wenn ein Gralsucher sich losringt von den Trieben der Masse und fortan seinen persönlichen Weg sucht, so senden sie ihm ermunternd und beratend einen Lichtboten.

„Dort ist ein Suchender deiner Teilnahme wert, lieber Bote”, sagen dann die Meister. „Geh hinab, werde sein Schutzgeist! Arbeite an seinem Herzen, durchdring' ihn mit dem Bewußtsein ewigen Wertes! Laß ihn stolz sein, doch ohne Hoffart! Sag' ihm, daß nicht Titanenwille den Göttersitz erobert! Denn wir sind es, die den durch uns hindurchrinnenden göttlichen Strom weiterschenken; aber wir schenken nur dem, der zur Erkenntnis stiller Größe nach Kampf und Irrfahrt reif geworden. Geh hin, lieber Bote, tue dein Werk!”

Und die Lichtboten tauchen tatenfroh hinab in die Lebensfluten der Erde.

Wenn aber Boten des Lichtes vorüberziehen an den Gestaden der Düsternis und der Vernüchterung und der Weichlinge, die an des Lebens Würde verzweifeln, so strahlt in doppelter Schönheit der Gottesboten Gesicht.

Sie drehen der flammenden Schwerter flache Klinge dem Gestade zu, so daß ein Widerstrahl von dem kraftvollen Silber hinüberblitzt in das Land der Dumpfheit.

Da hebt dort einer oder der andre sein Haupt: „Wer zieht vorüber? Wer hofft noch? Wer wagt noch an Freiheit und Freude zu glauben in diesem Räderwerk der Fronen?”

„Ich, mein Bruder!” flammt es zurück. „Und sieh her, wie meine Muskeln straff und meine Blicke voll Mut sind und mein Atem den Busen schwellt! Sieh her, wie mir wonnig und wohl ist, weil ich wandeln darf als Bote der Gottheit!”