Jetzt klopfte Professor Lobsann frohgemut ans Glas.

»Sie bleibt! Meine Damen und Herren, sie bleibt! Sie alle beginnen einen Rundgesang und fragen, was das heißt. Sie wissen es nicht, deshalb muß ich es Ihnen erklären. Wir haben unser Elsaß verloren; von allen Seiten hören wir mit Bitterkeit, wie deutsche Brüder unter Drangsalen von dort ausgejagt werden oder durch Auswanderung dieser Schmach zuvorkommen. Zwei dieser wertvollen Menschen, die durch großes Leid gegangen sind, haben wir hier in unsrer Mitte. Es war meiner Frau und mir eine Herzensfreude, ihnen dieses Haus zur Verfügung zu stellen. Aber unsre liebe Elsässerin wollte schon in den nächsten Tagen in die Heimat zurückkehren. Das war uns schmerzlich, doch wir ehrten ihren Entschluß. Nun hören wir, daß sie aus irgendeinem Grunde — ich vermute, der Zauber hängt mit diesen beiden Figuren zusammen — sich entschlossen hat, hierzubleiben für immer. Daher, meine Damen und Herren, unser freudiger Ruf: sie bleibt! Und so hält unser Herz dennoch das Elsaß fest. Denn viele Gute von dort kommen zu uns. Und gemeinsam wollen wir, die ausgewanderten Edelsassen und die im Reiche wohnenden Edeldeutschen, durch Leid geläutert die deutsche Seele bauen. Es ist Elsässer Wein, den ich Ihnen hier vorgesetzt habe, meine Herren! Stoßen Sie mit mir an! Unsere liebe, nie zu vergessende deutsche Westmark — und das beseelte Reich!«

Die Gläser klangen.

Fanny und Arnold standen Hand in Hand.

Und der Schimmer der zusammenklingenden, mit goldgelbem Wein gefüllten Pokale fiel auf das Straßburger Münster, das groß und still an der Wand hing.

Ende.

Weimar und Westmark — Edelgut,

Bezahlt mit Geist, bezahlt mit Blut.


Geistland und Grenzland, Wort und Wehr —

Das Wort nehmt ihr uns nimmermehr!


Und raubt ihr uns des Reiches Mark,

So bleibt uns doch der Goethepark


Und neben Weimars heil'gem Hain

Der Wartburg geistbelebter Stein.


Die deutsche Kraft besinnt sich dort:

Und starke Wehr wächst aus dem Wort.


Uns aber, die wir heimatlos,

Geziemt es: duldet still und groß!


Das unbeseelte Reich zerbrach,

Wir stehn vor aller Welt in Schmach;


Nun bleibt uns aufzubaun ans Licht

Ein Seelenreich, das nie zerbricht.


Hier, deutsche Jugend, ist die Bahn:

Beseelt Neudeutschland! Fanget an!

Weimar, 21. November 1918

Anmerkungen zur Transkription

Zur bessern Übersicht ist das Inhaltsverzeichnis an den Anfang des Buches verschoben worden.