[4] Vrgl. Krauss: Volkglaube und religiöser Brauch der Südslaven. Münster i. Westf. 1890. S. 1–19 (Sonne, Mond und Stern).

[5] Vrgl. Krauss: Sitte und Brauch der Südslaven. Wien 1885. Kap. XX. S. 454–465.

[6] Vrgl. Böhmische Korallen aus der Götterwelt. Wien 1897. II. Aufl.

[7] Karadžić im Srpski rječnik, Wien, erklärt sipljaiv und sipljiv mit »engbrüstig, asthmaticus«. Nicht doch! Asthmatisch heisst in der Volksprache siputljiv; sipljiv aber »bröselig, mürbe«.

[8] Das Wort fehlt in allen Wörterbüchern. Vielleicht ist es aus hrapav (rauh, kratzend) verderbt. Es entspricht dem hochdeutschen ‘Krätzer’, dem judendeutschen ‘Špabach’ (Špeib’ ich = speie ich). Mit Hinblick auf das m in hrampač muss man annehmen, dass das wurzelhaft slavische Wort durch das magyarische rámpás (ein slavisches Lehnwort) bedingt ist.

Ein Heldengemetzel.

Unter den von Guslaren vorgetragenen Volkliedern, ist die Zahl derjenigen Lieder, die einen mythischen Hintergrund haben, oder in die Gestalten und Gebilde des Volkglaubens hineinragen, verhältnismässig sehr bescheiden, wenn man vom Standpunkte nüchterner Volkforschung die Erzählungen so nimmt, wie sie vom Volke selber verstanden und aufgefasst werden und sich scheut, mythologischen Krimskrams der durchsichtig einfachen Volkanschauung künstlich zu unterschieben. Der seinem Grundzuge nach aufs Gemüt beängstigend wirkende Volkglaube der Südslaven mochte die Guslaren abhalten, ihn darzustellen. Eine kleine Ausnahme machten sie wohl mit den Vilen, den Holz- und Moosfräulein. Die Vilen gehören zur grossen Sippe der Baumseelen und Waldgeister, die international sind[1]. In den Guslarenliedern ist den Vilen nur eine untergeordnete Rolle zugeteilt. Sie erscheinen meistens als dii ex machina, um ihren Lieblingen zu helfen, sei es durch Rat oder Tat. Als Waldgeister hausen sie nicht bloss in Bäumen, sondern auch in Felsen und Wolken. Sie sind gute Schützen und ihre Pfeile (Sonnenstiche) wirken tödlich, aber sie vermögen auch als Ärztinnen die Getöteten wieder zum Leben zu erwecken. Fällt man einen Baum, so tötet man eine Vila, die im Baume haust. Die vom Baum losgelöste Vila ist aber auch sterblich. Ein kühner Held kann ihr das Leben nehmen. Dies ist älterer ursprünglicherer Glaube, wie er noch als Überlebsel in Guslarenliedern vorkommt.

Nachfolgendes Lied ist aus zwei Teilen lose zusammengestellt. Die Einleitungzeilen 1–23 stehen in keinem inneren sachlichen Zusammenhange mit der eigentlichen Erzählung, sind aber keineswegs überflüssig. Ein abendländischer Epiker hätte das Bild einer grossartigen Hochgebirglandschaft entworfen, um den Hintergrund für die Begebenheit zu schaffen. Der Guslar erzielt den gleichen Erfolg bei seinen bäuerlichen Zuhörern durch Erwähnung der Vilen, denen er glücklich eine kurze Charakteristik der auftretenden Helden in den Mund legt.

Die Fabel behandelt einen Kampf um nichts, ein furchtbares Gemetzel um einige Tropfen verschütteten Weines. So ist der Südslave seit jeher gewesen und so zeigen sich auch die slavischen Balkanstaaten in der Gegenwart. Die Politiker nennen den Balkan den Wetterwinkel Europas. Man hat von dort manche politische Überraschung erlebt, für die man sich keine Erklärung zu geben weiss. Man höre den Guslaren und seine Lieder, dann wird man auch den Südslaven verstehen.