V. 55. salamet vom arab. selamet, Gesundheit, Heil, Friede, Rettung, Erlösung.

V. 57. Sprichwort und stereotyp. Vrgl. Krauss im ‘Smailagić Meho’, Ragusa 1885, S. 60, zu V. 1915.

Der Guslar dieses Liedes ist mein schon öfters gerühmter Reisebegleiter Milovan Ilija Crljić Martinović aus Gornji Rgovi am nördlichen Abhang der Majevica in Bosnien.


[1] Über Vilenglauben bei Krauss in: Die vereinigten Königreiche Kroatien und Slavonien. Wien 1889. S. 123–130. Eine eingehendere Beleuchtung in »Volkglaube und religiöser Brauch der Südslaven«.

Von einer Vila Zöllnerin.

Die meistgenannte Gestalt der christlichen Guslarenlieder ist Prinz Marko. Bei Lebzeiten war dieser Prinz ein Überläufer. Turska pridvorica (eine türkische Hofschranze) wird er zuweilen im Liede genannt, weil er als serbischer Kronprätendent mit Hilfe der Türken, den Thron, auf den andere grössere Ansprüche als er hatten, gewinnen wollte. Im Grunde genommen ein Ritter von der traurigen Gestalt, fiel er schmählich in türkischen Reihen gegen seine Glaubengenossen kämpfend. Man ist auf verschiedene, zum Teil abenteuerliche Vermutungen geraten, um das angebliche Rätsel zu lösen, wie so es gekommen, dass just dieser Verräter seines Volkes, der im Leben eine untergeordnete Rolle gespielt, zu einer Volktümlichkeit gelangt ist, die noch nach fünf Jahrhunderten vom schwarzen bis zum adriatischen Meere bei den vier südslavischen Völkern festwurzelnd, fortlebt. Das Rätsel ist einfach zu lösen. Marko hat es gleich einem Boulanger verstanden, bei den unter schwierigen Lebenverhältnissen mühsam leidenden Massen des Volkes ungeheuere Hoffnungen auf ein goldenes Zeitalter zu erwecken. Wer die leichtgläubige, begehrende Menge mit Versprechungen glücklich zu ködern weiss, der mag ein Verräter, ein Dieb, ein Wicht sein, er hat doch gewonnenes Spiel. Für eine goldene Hoffnung opfert das Volk das bisschen angeborenen, gesunden Menschenverstandes. Selbst als Marko gefallen war, glaubte die getäuschte Hoffnung nicht daran. Marko sei nur zu einem langen Schlummer in einen Berg entrückt worden. Einmal jedoch werde er auferstehen und die Slaven von den Türken befreien.

Kraljević Marko ist in der Guslarenepik zu einer Art von Sammelnamen geworden. Alle guten und schlechten Heldenstreiche, Schwänke und Schnurren schreibt man diesem Namen zu, ähnlich wie man bei uns in Österreich Kaiser Josef II. und in Deutschland Friedrich dem Grossen alle möglichen Anekdoten anheftet. Auf diesem Wege hat man Marko auch in die Gesellschaft von Vilen hineingeschmuggelt und ihn zu einem mythischen Helden erhoben. Einige slavische Mythologen haben das Volk noch übertrumpft und den guten Marko zu einem Sonnengott gemacht und ihn mit Mithras, Wodan, Višnu und einigen anderen identifiziert. Solche Possen taugen wenig.

Nachfolgende Vilensage ist im ganzen Süden sehr verbreitet und auch durch fünf oder sechs schon gedruckte Fassungen bekannt. Deren gegenseitiges Verhältnis zu besprechen, ist hier nicht geboten, nur wäre zu bemerken, dass die von mir aufgezeichnete Variante wegen ihrer sachlichen Vollständigkeit und Schlichtheit selbst für die noch seltenen Kenner südslavischer Volküberlieferungen eine genehme Gabe sein dürfte.