Vračarice, coprnjice, kuko ljeskova!Zauberin, Hexe, Haselstockhacken![16]

Eine Beschimpfung für ein Frauenzimmer, das auf Zauberei und Hexerei viel hält und sich damit abgibt.

Nebenbei mag noch der Verwünschung »izjele te vještice!« (Hexen sollen dich ausfressen) Erwähnung geschehen.

IV. Versammlungorte der Hexen.

Regelmässig versammeln sich die Hexen in der St. Johannis- und der St. Georgnacht[17], Weihnachten und zu Pfingsten auf Pusten (weiten Ebenen), an Kreuzwegen und brauen dort ihre Zaubertränklein.

In der vorchristlichen Zeit fielen auf die genannten Tage die Hauptfeste des Volkes. Jung und alt zog zu Georgi, zu Pfingsten und am Johannistage hinaus in Wald und Flur, brachte bei Tanz und Spiel Opfer dar und feierte das Fest der erwachenden und blühenden Natur. Wie vor tausend Jahren, so feiert noch jetzt der südslavische Landbewohner diese Feste, die nun ein christliches Gepräge erhalten haben, nebenher geht aber noch eine Unzahl altheidnischer Gebräuche mit. Warum gerade an diesen Tagen den Hexen eine grosse Rolle zufällt, erklärt sich einfach daraus, dass man vor Zeiten an diesen Tagen Opferzüge leitete und mancherlei »Zaubereien«, zum Wohle aller und einzelner veranstaltete. Bei einem einfachen Volke, wie die Südslaven, das sich vorzugweise mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte und noch beschäftigt, brachte man selbstverständlich die meisten Opfer dar, um für das liebe Vieh und die Felder den Segen der Geisterwelt zu erwerben. Zu ihren Ehren schmückte man die Wohnungen der Menschen und die Nutztiere mit Blumen und Kränzen. Die weisen Frauen, die die Aufsicht über die Festzüge führten, trugen besondere Zweige in der Hand, beräucherten Menschen und Tiere und sprachen dazu ihre Segen. Die neue christliche Lehre musste, um sich behaupten zu können, teilweise die alten Bräuche zu den ihrigen machen, diejenigen aber, die sich mit ihrem Geiste nicht vertrugen, als das Gaukelspiel böser Geister hinstellen. So wurden die alten Priesterinnen, die wohl mancherlei Kenntnis von heilkräftigen Kräutern besassen, böse Hexen, die dem lieben Vieh nachstellen und den Menschen nur Schaden bereiten. Infolge dieser Wandlung in der Volkanschauung fing man an, den nicht mehr verstandenen Brauch des Bekränzens und Schmückens der Nutztiere als Abwehrmittel gegen den Einfluss der Hexen auszulegen. Die Vorstellung von dieser Art von Hexen hat mit jener von den Vilen nichts gemein als den Namen, so ferne man in manchen Gegenden die Bezeichnungen vještica (coprnica) und vila nicht mehr auseinanderhält.

Am Georgtage schmücken im ganzen slavischen Süden die Hirten mit Blumenkränzen die Hörner der Kühe, um jeden Hexenzauber fernzuhalten. In den Blumen und Zweigen heimen gütige Baumseelen. Die unbekränzten Kühe sind den Hexen preisgegeben. Die Kränze befestigt man abends an der Stalltüre, wo sie das ganze Jahr über hängen bleiben. Wenn es ein Hirte unterlässt, eine Kuh zu bekränzen, so erhält er vom Eigentümer der Kuh nicht nur nicht das übliche Trinkgeld, sondern setzt sich noch der Gefahr aus, durchgebläut zu werden. Die Zeugnisse für den angeführten Brauch sind sehr zahlreich. (Vrgl. über diesen Brauch bei a. Völkern. Mannh., Bk. S. 295.)

Am Georgtage früh, wenn der Hirte die Kühe aus dem Stalle lässt, nimmt die Schaffnerin in die eine Hand Salz, in die andere einen Scherben mit Feuerbrand. Das Salz reicht sie der Kuh, die nun über die Glut hinwegschreitet. In dem Feuer brennen allerlei Rosenarten. Dadurch bricht man die Macht der Hexen über die Kuh. (Aus Warasdin). In der Umgegend von Karlstadt begnügen sich die Hausfrauen, morgens beim Austreiben der Kühe bloss ein Kreuz über sie zu schlagen, um die Hexen fernzuhalten. (V. Lorković, Arkiv, 1863, VII, S. 239.) (Über die Bedeutung dieser Bräuche vrgl. Mannh. Bk. Kap. VI, Vegetationgeister, Sonnenzauber S. 497–566.)

Am Vorabend von Georgi, an manchen Orten am Georgtage frühmorgens, schneiden alte Weiber Distelzweige ab und bringen sie an den Türen des Gehöftes an; ferner machen sie Kreuze aus Kuhdreck sowohl an den Hof- als an den Stalltüren, damit die Hexen den Kühen keinen Schaden antun können. (Aus Warasdin.) Manche schlagen aus demselben Grunde grosse Nägel in die Stalltüre ein, doch glaubt man, dass diese kein so zuverlässiges Abwehrmittel gegen Hexenzauber wie Distelzweige bilden. In Vinica und dessen Umgebung schneidet man vor Sonnenaufgang die Distelzweige ab. Man legt sie einander auf den Kopf, ferner legt man solche Zweige auf die Umzäunung des Gehöftes, die Fenster und Türen des Hauses und ebenso in Kranzform den Kühen um den Nacken, damit die Hexen dieses Jahr über Mensch, Tier und Haus keine Macht erlangen können. Gelingt es einer Hexe trotz alledem durchs Hinterhaus über den Gartenzaun in den Stall zu dringen, so verendet das ganze Vieh in dem Hause.