Drei Sagen zur weiteren Erläuterung. Die erste ist aus Bednje, die zweite aus Biškupec, die dritte aus Warasdin in Chrowotien.

I.

Es war einmal ein junger Mann, der sich in ein Mädchen verliebte, das eine Hexe war. Es fiel ihm öfters auf, dass sich das Mädchen immer zu gewisser Zeit zu entfernen pflegte, ohne jemand mitzuteilen, wohin; darum befragte er sie, wohin sie gehe, und sie gab ihm zur Antwort: »Mein Liebster, ich gehe auf einen gar schönen Ort; komm Du auch mit, Du wirst die Freude in vollen Zügen geniessen.« — Er willigte ein und sie führte ihn auf einem ihm bis dahin unbekanntem Wege, bis sie an einen Kreuzweg gelangten, wo sie zu mehreren solcher Mädchen und Frauen stiessen. Mit diesen zusammen traten sie sodann in eine wunderherrliche Burg, die sie urplötzlich herhexten, darin glänzte aber alles in lauterem Golde und eine grosse Tafel war mit köstlichen Speisen vollbedeckt. Man fing an, die mannigfaltigsten Speisen zu essen, wie ihrer der Jüngling nicht einmal im Traume je welche gesehen. Wie es überall zu sein pflegt, so geschah es auch hier; der Wein erhitzte die Gemüter der Gäste und der Jüngling ergriff lusterfüllt seinen Pokal und brachte einen Trunk zu Ehren des heiligen Geistes aus. Da schien es ihm auf einmal dunkel um die Augen zu werden, und er ergriff, als wenn er untersänke, schnell etwas über sich. Wie er die Augen öffnete, sah er sich auf einem Lindenbaume und mit der Hand hielt er sich an einem Aste fest.

II.

Es war einmal eine Hexe, die ging zum Dorfpfarrer zur Beichte; der Pfarrer aber wusste, dass er eine Hexe vor sich habe und bat sie, sie möge ihm den Ort ihrer Zusammenkünfte zeigen. Die Hexe erwiderte: »Ich will Ihren Wunsch, Herr Pfarrer, erfüllen und Ihnen den Ort zeigen. Kommen Sie mit mir auf den Düngerhaufen.« — Als sie auf den Düngerhaufen kamen, hiess die Hexe den Pfarrer ihr auf den Fuss treten. Kaum trat er ihr auf den Fuss, flogen beide hoch in die Luft und gelangten in einen wundervoll schönen Palast, wo Hexenmeister mit Hexen im vollsten Sinnentaumel herumtanzten und sich mit Speise und Trank ergötzten. Auf einmal erschien in ihrer Mitte der Teufel selber in Gestalt eines Kalbes, das Feuer aus dem Maule spie. Nun gingen die Hexen der Reihe nach dem Kalbe den Hintern küssen, und so kam die Reihe auch an den Pfarrer, der ohne weiteres das Beispiel der Hexen nachahmen wollte, doch der Teufel herrschte ihn an: »Was hast Du Stinktier vor? — Willst Du in unsere Genossenschaft aufgenommen werden, so musst Du Deinen Namen mit eigenem Blute in dieses schwarze Buch einschreiben!« — Der Pfarrer forderte ihn auf, ihm das Buch vorzulegen, er sei bereit, sich zu unterzeichnen. Der Teufel reicht ihm das Buch und der Pfarrer schreibt ein den süssen Jesunamen. Im selben Augenblicke erdröhnte der Palast und zerfiel in Trümmer, Teufel und Hexen verschwanden und der Pfarrer sah sich auf dem Gipfel der uralten Linde vor der Kirche und zitterte vor Entsetzen am ganzen Leibe. Als in der Früh der Messner läuten kam, rief ihm der Pfarrer von der Linde herab zu: »Heda, nimm mich herab!« und der Messner entgegnete kopfschüttelnd: »Der Teufel selbst muss Sie da hinauf gesetzt haben«, stieg auf den Baum, holte den Pfarrer herab und trug ihn in den Pfarrhof zurück.

III.

Ein Bauer ging mit einem Sacke Frucht in die Mühle und der Weg führte ihn an einem grossen Baume vorüber, wo er schon früher zu hundert Malen vorübergegangen war. In der Mühle sah er sich genötigt bis zur Dämmerung zu warten, ehe an ihn die Reihe kam, und als die Frucht gemahlen war, trat er den Heimweg an. Wie erstaunte er aber, als er an der Stelle, wo der Baum stand, einen grossartig schönen, drei Stockwerke hohen Palast erblickte, aus dem ihm ein Jubel entgegenscholl, als wenn hundert Paare daselbst Hochzeit feierten. Verwundert legte er den Sack ab, setzte sich darauf und sann nach, wo er sich befände und wieso er hieher gelangt sei. Auf einmal traten aus diesem Palaste über goldene Stufen zwei schöne Frauen heraus, fassten ihn jede an einer Hand und führten ihn in den Palast hinauf. Oben traf er Leute aller Art, unter denen eine unaussprechlich grosse Lustbarkeit herrschte. Man bot ihm sogleich Speise und Trank an und schliesslich tanzte er in bester Stimmung mit ihnen mit. Als er sich endlich verabschiedete, um zu den Seinen zurückzukehren, reichte ihm die eine ein grosses Stück Braten und die andere ein herrliches Kopftuch mit den Worten: »Dein Weib wird es mit grossem Vergnügen tragen.« — Er sprach ihnen seinen Dank dafür aus, worauf sie ihn wieder an der Hand hinabgeleiteten. Unten angelangt, lud er wiederum seinen Sack auf den Rücken auf und schlug den Heimweg ein. Zu Hause rief er vor Freude seinem Weibe zu: »Errat’ mal Weib, was ich Dir Neues und Schönes mitbringe?« — Noch etwas benebelt und in vergnügtester Laune griff er in seine Ledertasche nach dem Fleische und zog heraus — einen Pferdehuf. »Ich habe noch etwas, für Dich, Du«, sagte er, griff in die Tasche nach dem Kopftuch und brachte einen — schmierigen Abwaschfetzen zum Vorschein. Beide gerieten darüber in Verwunderung, und der Bauer suchte schnurstracks den Pfarrer auf und teilte ihm das sonderbare Abenteuer mit, aber der Pfarrer lachte ihn nur aus. Nun kam bald wiederum der Zeitpunkt, wo die Hexen ihre Versammlung abzuhalten und der Freude sich hinzugeben pflegten, und da schickten sie zum Pfarrer, der eben an diesem Tage zwei Paare traute, eine vergoldete Kutsche mit vier Rossen, einem Kutscher und zwei Herren mit der ergebenen Einladung, er möge sie beim Festmahl mit seiner Gegenwart beehren. Der Pfarrer nahm wirklich die Einladung an, stieg in die Kutsche und schnell wie der Donner ging es zu jenem Palaste hin. Die ganze lustige Gesellschaft kam ihm unter Musikbegleitung entgegen und führte ihn über die goldenen Stufen hinauf in den Saal. Sogleich räumte man ihm den Ehrenplatz oben an der Tafel ein. Doch die Freude war von kurzer Dauer, wenngleich sie sehr gross war; alles trank der Reihe nach und zuletzt kam der Pfarrer dran, der in Gottes Namen den Pokal ansetzte; kaum war aber dieses Wort über seine Lippen gekommen, verschwand alle Herrlichkeit um ihn herum und er sah sich auf einem schwachen Aste auf dem Gipfel jenes Baumes sitzen, von dem ich zuvor gesprochen. Die ganze Nacht bis zum hellichten Tag sass er da oben auf der schwachen Rute und getraute sich nicht, sich zu mucksen, vor Furcht, hinabzufallen und sich das Genick zu brechen, bis ihn endlich vorüberziehende Leute aus seiner peinlichen Lage befreiten. Diesen Streich spielten ihm die Hexen nur deshalb, weil er an sie nicht glaubte.

Als Hauptversammlungort der Hexen von Syrmien wird ein alter Nussbaum[23] bei dem Dorfe Molovina bezeichnet. Auch in einem sicilianischen Zauberspruch (vrgl. Ausland 1875, St. 3) ist von den Geistern des Nussbaumes die Rede. Sie heissen diavuli di nuci. »Die neapolitanischen streghe versammeln sich unter einem Nussbaum bei Benevent: das Volk nennt es die Beneventsche Hochzeit; gerade an diesem Ort stand ein heiliger Baum der Longobarden.« (Grimm. D. M. S. 1005.) Die älteste Nachricht über diesen Glauben bei den Südslaven findet sich bei dem Ragusäer Dichter I. Gundulić (1588–1638). Im II. Gesange seines Epos »Osman« (zuerst erschienen 1621) sucht der Vezir Dilaver den jungen türkischen Kaiser Osman zu überreden, er soll die Mutter seines vom Throne gestürzten Vorgängers, eine gefährliche alte Hexe, die ihm, Osman, nach dem Leben trachtet, baldigst aus dem Wege räumen. Der Dichter schildert das Treiben der Hexe nicht getreu nach dem südslavischen Volkglauben, denn aus Strophe 36 und 37 geht hervor, dass er mit dem abendländischen, oder genauer italienischen Hexenglauben wohl vertraut ist. In der ersteren Strophe ist der Zug, dass die Hexe nachts auf einem Bock durch die Lüfte reitet, dem südslavischen Volkglauben ganz und gar fremd. Die Stelle lautet (Strophe 38 und 39, »Osman«, II. Aufl. Agr. 1854, S. 20 f.):

»Glas je, da ona od djetinje Mlječne puti pomas kuha, I na ovnu prjeko sinje Noći leti vragoduha, »Man sagt sich, dass sie eine Salbe aus zartem (wörtlich: milchigem) Kinderfleisch koche und vom Teufel besessen auf einem Bocke durch die schwarze Nacht dahinfliege.«
5Na kom leti svegj bez straha K planinskomu vilozmaju, Gdje vještice podno oraha Na gozbe se strašne staju.« »Auf welchem (nämlich Bocke) sie ohne Scheu allezeit zum vilenartigen Drachen der Hochalpe reitet, wo sich Hexen unterhalb eines Nussbaumes zu grausigen Mahlzeiten ein Stelldichein geben.«