Einmal stand er am Fenster und erblickte seinen ehemaligen Genossen mit einer Warenkrücke des Weges kommen. Er liess ihn rufen und warf ihm einige Dukaten aus dem Fenster zu. Auch erzählte er ihm, auf welche Weise er in diese Stellung gelangt sei. Das liess sich der nicht umsonst gesagt sein, sondern begab sich gleichfalls auf jenen Baum, wo der andere gelauscht hatte. Als dem Teufel alle gebeichtet hatten, kam auch an die jüngste die Reihe und er machte ihr den Vorwurf: »Aha, das bist Du, die Du Dich berühmt hast, dass niemand der Prinzessin wird Heilung bringen können.« Sie kam gleich auf den Gedanken, dass sie von jemand belauscht worden sein mochte, schaute auf den Baum hinauf, gewahrte den Mann oben und machte ihn im Verein mit ihren Genossinnen zu Staub und Asche. (Arkiv za povj. jugosl. VII, S. 253 f. von Valjavec.)
III.
Es war einmal eine Hausfrau, die eine Hexe war und einen Diener bei sich in Diensten hatte. Die Hexe bestrich sich einmal mit ihrem Zauberfette und murmelte dabei: »Weder an Bäume, noch an Sträuche«. Der Diener belauschte sie, vernahm die Worte: »Weder an Bäume, noch an Sträuche« und begab sich nach ihrem Fortgehen in ihre Stube. Während er sich mit dem Fette einrieb, sprach er irrigerweise die Formel unrichtig: »An Bäume und an Sträuche«. Als er sich eingerieben, flog er hinaus, rannte an jeden Baum und jeden Stein an, so dass er ganz zerschlagen und zerschunden in der Hexenversammlung anlangte. Dort durfte das Wort »Gott« beileibe nicht ausgesprochen werden, er aber vergass daran beim Anblick des herrlichen Saales und rief entzückt aus: »O Gott, wie schön ist’s hier!« — Im Nu stoben die Hexen auseinander und liessen ihn allein zurück. Drei Tage lang blieb er dort, bis ihn irgend jemand aus seiner unfreiwilligen Haft befreite, und drei Jahre lang dauerte es, bis er wieder in seine Heimat zurückkam.[30]
V. Hexenzauber. Verwandlungen. Wie erfährt man, ob ein Weib eine Hexe sei. Wodurch macht man Hexenzauber zu nichte.
Im allgemeinen hält man die Hexen für schwarze, kraus- und weisshaarige, alte, arg zerlumpte Weiber. Ein schmuckes und stattliches Frauenzimmer sieht man selten für eine Hexe an, doch kommt auch dergleichen vor. Man stellt sich die Hexen als bösartige alte Weiber vor, die aus dieser Welt nicht scheiden können, sie hätten denn eher ihren Nebenmenschen recht viel Leids zugefügt. (Arkiv VII. 1863. S. 241.) Gewöhnlich glaubt man, dass ein Frauenzimmer, ehe sie zur Hexe wird, jahrelang als »Mora« (Trut oder Mar) junge Leute beschläft und ihnen das Blut abzapft.
In jeder Hexe haust ein teuflischer Geist, der sie zur Nachtzeit verlässt, sich in eine Fliege, einen Schmetterling, eine Henne, einen Truthahn oder eine Krähe, am liebsten aber in eine Kröte verwandelt.[31] Will die Hexe jemand einen besonders schweren Schaden antun, so verwandelt sie sich in ein reissendes Tier, gewöhnlich in einen Wolf. (Pogled u Bosnu. Zgr. 1842. S. 44.)
Ist der böse Geist aus der Hexe draussen, so liegt ihr Körper völlig wie leblos da und wenn einer die Lage der Hexe derart veränderte, dass der Kopf dort zu liegen käme, wo die Füsse liegen, und umgekehrt, so gelangte die Hexe nimmer zum Bewusstsein, sondern bliebe für ewig tot. Wenn man abends im Hause einen Schmetterling umherfliegen sieht, so hält man ihn für eine Hexe, sucht ihn wo möglich zu fangen, brennt ihn dann ein wenig an der Kerzenflamme oder am Lichte an und lässt ihn wieder frei mit den Worten: »Komm morgen zu mir, damit ich Dir Salz gebe!« Fügt es nun der Zufall, dass am nächsten Tage ein Weib aus der Nachbarschaft in dies Haus kommt und Salz oder sonst irgend etwas ausborgen will, und wenn sie noch zum Überfluss zufälligerweise am Körper irgendwo ein Brandmal hat, so ist man vollends der Überzeugung, dass sie die Hexe von gestern sei.
Hexen können nach Belieben einem Menschen die Besinnung rauben und ihn auf einen beliebigen Ort schaffen.[32]
Hexen können sich in eine Kröte verwandeln:
Eine Mutter geriet in Streit mit zwei alten Weibern, die als Hexen berüchtigt waren. Sie schwuren dem Weibe Rache. Es starben ihr in der Tat alle Kinder, die bei ihr daheim waren, nur ein Mädchen von acht Jahren blieb am Leben. Aber auch dieses wäre nicht am Leben geblieben, hätte es sich nicht bei seinem Grossvater in einem anderen Dorfe aufgehalten. Einmal führte eine Hausgenossin der Mutter das Mädchen heim. Als sie über eine grosse Wiese hinschritten, sprangen vor sie zwei grosse Kröten. Jede dieser Kröten hatte bloss zwei Füsse. Die Kröten überschlugen sich dreimal kopfüber und verwandelten sich in Weiber, die der Hausgenossin und dem Mädchen wohl bekannt waren. Sie nahmen ihre Kopftücher ab und steckten sie zwischen die Füsse, als wären es Pferde. Wirklich verwandeln sich die Tüchel in Pferde, die Hexen ergreifen das Mädchen, fliegen mit ihm spurlos über Wiese und Wald fort und machen erst an einem Kreuzwege Halt, wo sie das Mädchen in Öl kochen liessen. Hier stand ein Nussbaum; unter diesem fand man des Mädchens Tüchel und eine Schussweite davon entfernt ihr kahles Gerippe.