Karl (für sich). Er will mich beschwatzen! Es ist lauter Falschheit, ich weiß es recht gut, daß er falsch ist—aber, wie schwach bin ich gegen das Lob! Wider meinen Willen könnte er mich beschwatzen.—(Zu Selicour.) Man verlangt also für diesen Abend—

Selicour. Eine Kleinigkeit! Ein Nichts! Ein Liedchen—wo sich auf eine ungezwungene Art so ein feiner Zug zum Lobe des Ministers anbringen ließe.—

Karl. Den Lobredner zu machen, ist meine Sache nicht! Die Würde der Dichtkunst soll durch mich nicht so erniedrigt werden. Jedes Lob, auch wenn es noch so verdient ist, ist Schmeichelei, wenn man es an die Großen richtet.

Selicour. Der ganze Stolz eines echten Musensohns! Nichts von
Lobsprüchen also—aber so etwas von Liebe—Zärtlichkeit—
Empfindung—

Karl (sieht sein Papier an). Konnte ich denken, da ich sie niederschrieb, daß ich so bald Gelegenheit haben würde?

Selicour. Was? Wie? Das sind doch nicht gar Verse—

Karl. O verzeihen Sie! Eine sehr schwache Arbeit—

Selicour. Ei was! Mein Gott! Da hätten wir ja gerade, was wir brauchen!—Her damit, geschwind!—Sie sollen bald die Wirkung davon erfahren—Es braucht auch gerade keine Romanze zu sein—diese Kleinigkeiten—diese artigen Spielereien thun oft mehr, als man glaubt—dadurch gewinnt man die Frauen, und die Frauen machen alles. —Geben Sie! Geben Sie!—Wie! Sie stehen an? Nun, wie Sie wollen! Ich wollte Ihnen nützlich sein—Sie bekannt machen—Sie wollen nicht bekannt sein—Behalten Sie Ihre Verse! Es ist Ihr Vortheil, nicht der meine, den ich dabei beabsichtete.

Karl. Wenn nur—

Selicour. Wenn Sie sich zieren—