Lormeuil. Im vollen höchsten Ernst, mein Fräulein-Sophie. Sie wären wirklich der Herr von Lormeuil?—Mein Gott, was hab' ich da gemacht—Wie werde ich meine Unbesonnenheit-Lormeuil. Lassen Sie sich's nicht leid sein, Fräulein—Ihre Neigung zu Ihrem Vetter ist ein Umstand, den man lieber vor als nach der Heirath erfährt-Sophie. Aber ich begreife nicht-Lormeuil. Ich will den Herrn von Dorsigny aufsuchen—vielleicht löst er mir das Räthsel.—Wie es sich aber auch immer lösen mag, Fräulein, so sollen Sie mit mir zufrieden sein, hoff' ich. (Ab.)

Sophie. Er scheint ein sehr artiger Mensch—und wenn man mich nicht zwingt, ihn zu heirathen, so soll es mich recht sehr freuen, daß er nicht erstochen ist.

Siebenter Auftritt.

Sophie. Oberst. Frau von Dorsigny.

Fr. v. Dorsigny. Laß uns allein, Sophie. (Sophie geht ab.) Wie, Dorsigny, Sie können mir ins Angesicht behaupten, daß Sie nicht kurz vorhin mit mir gesprochen haben? Nun, wahrhaftig, welcher Andere als Sie, als der Herr dieses Hauses, als der Vater meiner Tochter, als mein Gemahl endlich, hätte das thun können, was Sie thaten?

Oberst. Was Teufel hätte ich denn gethan?

Fr. v. Dorsigny. Muß ich Sie daran erinnern? Wie? Sie wissen nicht mehr, daß Sie erst vor kurzem mit unsrer Tochter gesprochen, daß Sie ihre Neigung zu unserm Neffen entdeckt haben, und daß wir eins worden sind, sie ihm zur Frau zu geben, sobald er wird angekommen sein?

Oberst. Ich weiß nicht—Madame, ob das alles nur ein Traum Ihrer Einbildungskraft ist, oder ob wirklich ein Anderer in meiner Abwesenheit meinen Platz eingenommen hat. Ist das Letztere, so war's hohe Zeit, daß ich kam—Dieser Jemand schlägt meinen Schwiegersohn todt, verheirathet meine Tochter und sticht mich aus bei meiner Frau. und meine Frau und meine Tochter lassen sich's Beide ganz vortrefflich gefallen.

Fr. v. Dorsigny. Welche Verstockung!—In Wahrheit, Herr von
Dorsigny, ich weiß mich in Ihr Betragen nicht zu finden.

Oberst. Ich werde nicht klug aus dem Ihrigen.